Letztes Update am Fr, 09.11.2018 10:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Betörend: Albertina zeigt Skulpturen und Objekte von Walter Schmögner



Wien (APA) - Schon die Titel der Objekte sind wunderbar poetisch: „Zwei verliebte Zucchini mit einsamer Marille“, „Etruskischer Hund“ oder „Kleiner Flügel mit ausgerissenem Schulterblatt“. Seit gestern Abend präsentiert die Albertina einen wenig bekannten Werkteil aus dem vielseitigen Oeuvre des österreichischen Künstlers Walter Schmögner. Die Ausstellung „Skulpturen und Objekte“ betört und verstört zugleich.

Es ist die letzte einer Reihe von Ausstellungen zum 75. Geburtstag, den Schmögner am 11. Juni gefeiert hat. In der Albertina wäre es wohl naheliegend gewesen, ihn mit einer Präsentation seiner Zeichnungen zu ehren, sagte Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder bei der gestrigen Eröffnung. Doch erstens habe es eine solche Ausstellung im Haus bereits gegeben, zweitens „wollten wir etwas machen, das noch nie zu sehen war“. Also werden nicht seine an Piranesi erinnernden Architekturvisionen, nicht Blätter mit seiner farbenprächtigen, selbst erschaffenen Fauna, nicht seine weltweit erfolgreichen Kinderbücher, und auch nicht seine eigenwilligen „Co & Mix“-Strips gezeigt, sondern seine Objekte, an denen Schmögner mit großer Konsequenz und Kontinuität seit vielen Jahren arbeitet.

Zunächst sei an die Präsentation in einem eigenen Raum gedacht worden, sagte Schröder. Dann habe er sich dazu entschlossen, die Vitrinen in die Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der Basteihalle zu integrieren. „All‘ diese großen Künstler treten plötzlich mit Walter Schmögner in ein Gespräch ein, und obwohl sie ganz verschiedene Sprachen sprechen, funktioniert es perfekt.“ Tatsächlich bedeutet diese Integration auch eine wunderbare Interaktion. Wenn etwa im Baselitz-Raum in der Vitrine „Harold und Maude“ zwei in Grün und Rot angemalte Schweinsblasen in der Luft zu schweben scheinen, stellt sich vollkommene Farbharmonie mit den daneben hängenden Großformaten ein. Das kann ebenso als Weiterführung wie als ironischer Kommentar des Gezeigten gelesen werden, genauso wie nebenan eine Vitrine mit mumifizierten Obst- und Gemüseresten vor monumentalen Tableaus von Anselm Kiefer.

Das Ephemere des Lebens hat Schmögner gleichermaßen in seinen Objekten eingefangen wie die Warnung davor, sich selbst und sein Tun allzu wichtig zu nehmen. Sein ironischer Zugang bricht dabei immer wohltuend die Fortführung der großen kunsthistorischen Tradition der Vanitas-Darstellungen. Manche Arrangements erinnern auch eindeutig an archäologische Ausgrabungen. Aus Hanfschnüren, Seidenpapier und Weidenruten entstehen unglaublich filigrane, anrührende Objekte, die ihr Leben gerade erst ausgehaucht zu scheinen haben, in seinen vertrockneten Karotten, Erdäpfeln und Melanzani lässt er die Natur einfach ihr Werk tun und bringt die Vergänglichkeit auf einen Punkt, in dem Existenzielles eingefangen ist.

Die in den Vitrinen präsentierten Objekte bilden mit den von Schmögner liebevoll bemalten Sockeln eine Einheit, in der auch der zeichnerische Formen- und Farbenkosmos des Künstlers präsent ist. Er habe selten eine Ausstellung mit so viel Begeisterung arrangiert wie dieses Mal, sagte Schröder. Das Erschrecken über „die Einsicht in die eigene Nichtigkeit“ sei in Schmögners Objekten gepaart mit einem „Lächeln der Gelassenheit“. Dazu passte das Schmunzeln, für das der Museumschef bei den Besuchern sorgte, als er bekannte, was ihm beim Betrachten der Zucchini und der Marille durch den Kopf ging: „Ja, so bin ich.“

Der neueste Zugang im Schmögner‘schen Skulpturenpark fehlt in der Ausstellung. Sein drei Meter hoher „Schwarzlochsauger“, eine in Alu-Guß hergestellte und vielseitig interpretierbare längliche Skulptur mit Trichter, wäre dabei wohl in jeder Hinsicht aus dem Rahmen gefallen. Er ist im „Infeld - Haus der Kultur“ im burgenländischen Halbturn zu besichtigen.

(S E R V I C E - „Walter Schmögner. Skulpturen und Objekte“, Ausstellung in der Albertina, 9. November bis 10. Februar, tgl. 9 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 9 bis 21 Uhr)




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