Letztes Update am Fr, 09.11.2018 10:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Internationale Pressestimmen zu Weltkriegs-Gedenkfeiern



Paris (APA/AFP/dpa) - Die Zeitungen schreiben am Freitag zu den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren:

„L‘Humanite“ (Paris):

„Daran zu erinnern heißt, nicht zu vergessen, was Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hervorgebracht hat. Heute ist der Kontinent erneut nationalistischen Aufwallungen ausgesetzt. Die Verteidigungsbudgets schießen auf dem ganzen Planeten in die Höhe, und Frankreich trägt dazu bei, indem es die schlimmsten Diktaturen aufrüstet. Zugleich missachtet das Land den Willen einer Mehrheit der Vereinten Nationen, die sich für eine Denuklearisierung der Waffenarsenale ausgesprochen haben.“

„Sud Ouest“ (Bordeaux):

„Die Erinnerungsreise ist ein Kreuzweg geworden. Keine Etappe ohne Auseinandersetzung über den Benzinpreis, Marschall Petain oder Ausländer ohne Aufenthaltspapiere. Das ist das Risiko, wenn man offizielle Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkrieges und Ortsbesuche miteinander verknüpfen will. Es fehlte nicht an Beherztheit und hätte funktionieren können, wenn sich nicht Emmanuel Macron selbst immer wieder verheddert hätte.“

„Kommersant“ (Moskau):

„Obwohl Frankreich zu den Gewinnern gehörte, wird es keine Militärparade geben. So entschied es Präsident Emmanuel Macron. Wenn man bedenkt, dass es in Weltkriegen keine Sieger und Verlierer gab, sondern nur Helden und Opfer. Von den Opfern gibt es unvergleichlich mehr. Außerdem ist Europa jetzt vereint, und es ist nicht wert, noch einmal zu betonen, dass das Ende des Krieges für einige Länder ein Sieg, für andere eine Katastrophe und für andere der Beginn nationaler Selbstbestimmung war.

Insgesamt wurden die Staats- und Regierungschefs von 84 Ländern zu der Gedenkfeier eingeladen, deren Bürger auf dem Schlachtfeld verwickelt waren, in Militärfabriken waren oder als neutrale Länder Nahrungsmittel und humanitäre Hilfe leisteten. In Frankreich haben Europäer, Afrikaner, Amerikaner, Australier, Kanadier und Russen gekämpft. (...) Auf den Friedhöfen wird nicht zwischen Deutschen, Ungarn, Österreichern und Briten, Franzosen und Russen unterschieden. Westeuropa hat längst aufgehört, gegen die Toten zu kämpfen.“




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