Letztes Update am Fr, 09.11.2018 10:55

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„La clemenza di Tito“ in Klagenfurt überzeugte jedenfalls musikalisch



Klagenfurt (APA) - Ein Fabelwesen mit Tierkopf verkörpert in der Klagenfurter Inszenierung von Mozarts letzter Oper „La clemenza di Tito“ die dunkle Seite der Macht. Doch Titos Schatten ist nur einer der Einfälle von Regisseur Marco Storman, die bei der Premiere am Donnerstagabend für Irritationen sorgten. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand aber das kontrastreiche musikalische Geschehen.

Dirigent Nicholas Carter führte die Musiker des Kärntner Sinfonieorchesters und die Sänger souverän und mit leichter Hand. Unfreiwillig komisch gerieten hingegen die Auf- und Abgänge der Sänger durch Tiefkühltruhe und Kühlschrank, über Baugerüste und Leitern. Die Figuren turnten durch verschachtelte Räume und machten so das Beziehungs- und Gefühlsgeflecht aus Macht, Freundschaft und Liebe sichtbar. Aber auch kleine, feine Szenen waren in der Bilderflut zu entdecken, etwa als Tito das Messer weglegt, das ihm sein Schatten aufdrängen will oder der immer kraftvoller werdende Chor, der zu Beginn marionettenhaft das Volk verkörpert.

In Mozarts 1791 uraufgeführten Oper „La clemenza di Tito“, einem Auftragswerk anlässlich einer böhmischen Krönung, drängt Vitellia, die Tochter des ermordeten Kaisers, ihren Geliebten Sesto zum Attentat auf seinen Freund, den regierenden Kaiser Tito. Dem Brandanschlag auf seinen Palast lebend entkommen und enttäuscht von diesem Verrat, lässt der Titelheld aber schließlich dennoch Milde walten und begnadigt die reumütigen Intriganten.

Das Sängerensemble überzeugte durchgehend, allen voran in den Hosenrollen Anaik Morel als zwischen Freund und Geliebter hin- und hergerissener Sesto und Feride Büyükdenktas als sein Freund Annio. Attilio Glaser, der in Klagenfurt schon als Massenets „Werther“ begeisterte, ist ein abwägender, nur wenig aufbegehrender Tito, Sofia Soloviy eine glaubwürdige Intrigantin Vitellia. Die Rezitative als wesentliche Elemente der musikalischen Gestaltung wurden vom ständig präsenten Hammerklavier (Tatiana Vassilieva) einfühlsam begleitet.

Mit einem furiosen Finale, in dem der Chor verteilt im Zuschauerraum singt und Titos Scheinheiligkeit durch einen Heiligenschein in Monstranzform illustriert wird, endete nach knapp zweieinhalb Stunden eine musikalisch beeindruckende, szenisch teilweise verwirrende Opernproduktion. Vom Publikum kamen höflicher Applaus und vereinzelte Buhrufe für den Regisseur.

(S E R V I C E - „La clemenza di Tito“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Klagenfurter Stadttheater, Theaterplatz 4, 9020 Klagenfurt. Musikalische Leitung: Nicholas Carter, Regie: Marco Storman, Bühne: Demian Wohler, Kostüme: Anika Marquardt. Mit Attilio Glaser - Tito, Sofia Soloviy - Vitellia, Bryony Dwyer - Servilia, Anaik Morel - Sesto, Feride Büyükdenktas - Annio, Nicholas Crawley - Publio, Thomas Vigele - Titos Schatten. Weitere Aufführungen am 13., 15., 17., 21., 23. und 28. November sowie am 1., 7., 9., 15. und 19. Dezember www.stadttheater-klagenfurt.at/de/produktionen/la-clemenza-di-tito/




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