Letztes Update am Fr, 09.11.2018 10:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NordLB vor Verkauf von Milliarden-Schiffskrediten - Kreise



London/Frankfurt/Hannover (APA/Reuters) - Die deutsche NordLB biegt beim Verkauf milliardenschwerer Schiffskredite Insidern zufolge auf die Zielgerade. Die Verhandlungen über zwei Portfolien über insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro seien weit fortgeschritten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen.

Gelingt der Verkauf, wäre die Landesbank ihre faulen Schiffskredite möglicherweise schon zum Jahreswechsel weitgehend los. Ein Sprecher der NordLB lehnte einen Kommentar dazu ab. Er betonte aber, die Bank mache derzeit große Fortschritte beim Vorhaben, ihren Bestand notleidender Schiffsdarlehen bis Ende 2019 auf unter 5 Mrd. Euro zu senken. „Dieses Ziel kann voraussichtlich bereits deutlich früher erreicht werden.“

Die NordLB versucht derzeit faule Schiffskredite am Markt zu veräußern. Dies gilt als Voraussetzung für den Verkauf eines Minder- oder Mehrheitsanteils an der NordLB. Hierfür läuft ein getrenntes Bieterverfahren, das im Dezember beendet sein soll. Sechs Interessenten sind Finanzkreisen zufolge noch im Rennen - neben der Commerzbank und der Helaba auch mehrere Finanzinvestoren wie Cerberus, Apollo und Advent. Seit Monaten suchen die Träger - die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und diverse Sparkassen - nach Wegen, die Kapitalpolster der Bank zu stärken. Im Gespräch war zuletzt ein Kapitalbedarf von rund 3 Mrd. Euro. „Dieser hängt entscheidend auch vom Verkauf der Schiffskredite und den Abschreibungen ab“, betonte ein Insider.

Die Bank biete derzeit ein Portfolio über rund 2,5 Mrd. Euro an und ein zweites für fast 4 Mrd. Euro, hieß es in Finanzkreisen. Für die erste Tranche gebe es bereits Angebote von Cerberus, Apollo und einem dritten Investor. Für die andere sollen nächste Woche Offerten vorliegen. An dieser seien neben Cerberus, Apollo auch andere Bieter interessiert - etwa Investoren wie die Goldman Sachs Investment-Sparte ESSG, Lone Star und der Hedgefonds Och-Ziff. Cerberus und Apollo lehnten eine Stellungnahme ab. Beobachter erwarten, dass die Kreditpakete nur mit hohem Abschlag den Besitzer wechseln. Sollte sich der Preis nur auf 30 bis 40 Prozent des Nominalwertes belaufen, könnte dies zu Wertberichtigungen von rund 4 Mrd. Euro bei der NordLB führen, sagte ein Insider.

Faule Schiffskredite hatten der Norddeutschen Landesbank 2016 einen Rekordverlust von rund 2 Mrd. Euro eingebrockt. Die Hannoveraner haben ihr Portfolio seit 2008 von rund 20 Mrd. Euro auf 7,7 Mrd. Euro Ende Juni abgebaut. Die Bank schnitt wegen ihres dünnes Kapitalpolsters beim EU-weiten Stresstest der Finanzbranche unter den acht deutschen Instituten am schlechtesten ab und landete unter den insgesamt 48 Großbanken auf dem viertletzten Platz.

Das Land Niedersachsen ist mit knapp 60 Prozent größter NordLB-Eigner. Die niedersächsischen Sparkassen halten gut 26 Prozent und Sachsen-Anhalt fast sechs Prozent.

~ WEB https://www.nordlb.de/ ~ APA190 2018-11-09/10:55




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