Letztes Update am Fr, 09.11.2018 11:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klagenfurter Psychiatrie neu: Weniger Betten, höhere Kosten



Klagenfurt/Innsbruck/Wien (APA) - Der Kärntner Rechnungshof hat den Neubau der Psychiatrie des Klinikums Klagenfurt geprüft. Während die Prüfer an den Plänen für den Bau an sich wenig auszusetzen haben, fällt auf, dass trotz deutlicher Bettenreduktion die laufenden Kosten, welche die öffentliche Hand zu tragen haben wird, steigen werden. Die Verlagerung von Betten von Klagenfurt nach Villach wirkt sich finanziell nachteilig aus.

Während in Klagenfurt die Psychiatriebetten von 188 auf 148 verringert werden, wird die Abteilung im Landeskrankenhaus Villach weiter aufgestockt, aktuell um 43 Betten. Der Betrieb des Neubaus in Klagenfurt wird trotz der deutlichen Bettenreduktion um 1,14 Millionen Euro im Jahr mehr kosten als bisher. Beim Personal ist eine Kostenreduktion von 1,3 Millionen Euro zu erwarten. Der Rechnungshof kommt auf laufende Nettokosten (abzüglich Erlöse) von 11,9 Millionen Euro. Dies ergibt sich daraus, dass die Erlöse durch den Bettenwegfall relativ stärker sinken als die Kosten für den Betrieb.

Im 41,4 Millionen Euro teuren Neubau wird es mehr Platz geben, die Patienten werden in der neuen Psychiatrie in Zweibettzimmern untergebracht anstatt wie bisher in Vier- und Sechsbettzimmern. Auch Bewegungs- und Aufenthaltsbereiche werden großzügiger gestaltet. Die Baukosten wurden vom Rechnungshof etwas nach oben korrigiert. Das Land hatte diese teilweise zu niedrig angesetzt und Massen ungenau berechnet.

Auch der Bundesrechnungshof hat sich in einem am Freitag veröffentlichten Bericht mit der Versorgung von Psychiatriepatienten auseinandergesetzt, angelegt als Vergleichsstudie zwischen Kärnten und Tirol in den Jahren 2013 bis 2016. Für Kritik sorgte etwa, dass es in Tirol zu wenige kinder- und jugendpsychiatrische Betten gab. Das LKH Villach, nach dem Regionalen Strukturplan Gesundheit für Kärnten-West zuständig, erfüllte seinen Versorgungsauftrag für Personen nach dem Unterbringungsgesetz im Jahr 2016 nur zu 26 Prozent. Grund seien mangelnde personelle und räumliche Kapazitäten, bemängelten die Prüfer.

Kritikpunkte des Bundesrechnungshofs waren wegen anstehender oder laufender Neubauten teilweise überholt. Die Experten empfahlen dem Gesundheitsministerium sowie den Ländern daher zum Beispiel, die Datenlage über den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern und den künftigen Bedarf in der Versorgung zu ermitteln. Die Länder sollen ihre Strukturpläne Gesundheit in Abstimmung mit dem bundesweiten Plan überarbeiten und eine Systematisierung der Betten durchführen. Auch wünschen sich die Prüfer Ursachenforschung und Optimierung bezüglich sehr unterschiedlicher Auslastungen und Verweildauern in den geprüften Krankenanstalten in Innsbruck, Hall, Klagenfurt und Villach.




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