Letztes Update am Fr, 09.11.2018 12:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutscher Zentralrat der Juden: „Geistige Brandstifter“ im Bundestag



Berlin (APA/dpa) - Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hat antisemitische und ausländerfeindliche Angriffe als „Schande“ für Deutschland bezeichnet. Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angriffen, würden aus dem Hintergrund angestachelt und aufgehetzt, sagte Schuster am Freitag in Berlin laut Redemanuskript in einer Gedenkstunde für die Pogromnacht vor 80 Jahren.

„Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert“, sagte Schuster in Anspielung auf die AfD. „Sie sind die geistigen Brandstifter.“ Deswegen habe der Zentralrat diese Fraktion als einzige aus dem Bundestag nicht zu der Gedenkstunde in der Synagoge in der Berliner Rykestraße eingeladen. Ihre Anwesenheit wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, so Schuster.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Präsident Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble nahmen an der Veranstaltung teil. Es sei ein Skandal, dass etwa jede zweite Woche eine Synagoge oder eine Moschee mit Hassparolen beschmiert oder - noch schlimmer - angegriffen werde, mahnte der Zentralratspräsident bei der Gedenkstunde.

Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten den Befehl für den inszenierten „Volkszorn“ gegen die Juden in ganz Deutschland ausgegeben. Hunderte Synagogen und Geschäfte wurden angezündet und geplündert, Zehntausende Juden wurden gedemütigt und deportiert. Wie viele Menschen starben, ist unklar. Das Nazi-Regime sprach von 91 toten Juden. Historiker gehen von mehr als 1300 Menschen aus, die in Folge des Pogroms ums Leben kamen. Die Pogrome gelten als Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland.




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