Letztes Update am Fr, 09.11.2018 13:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess wegen geplanten Anschlags vor Karlsruher Schloss ab Montag



Stuttgart/Karlsruhe (APA/AFP) - Weil er einen Anschlag mit einem Fahrzeug in Karlsruhe geplant haben soll, beginnt am Montag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart der Prozess gegen einen 29-jährigen Terrorverdächtigen. Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft Dasbar W. unter anderem vor, im vergangenen Jahr ein Attentat auf eine Eislauffläche vor dem Karlsruher Schloss geplant zu haben.

W. wurde am 20. Dezember von einem Sonderkommando in Karlsruhe festgenommen. Laut Anklage soll er nach dem Vorbild des Anschlags am Berliner Breitscheidplatz geplant haben, mit einem Fahrzeug in die Stände rund um die Eisfläche auf dem Karlsruher Schlossplatz zu fahren.

Dazu kundschaftete er laut Bundesanwaltschaft ab Ende August 2017 die Örtlichkeiten rund um das Schloss aus und bemühte sich spätestens ab Oktober, bei verschiedenen Paketdiensten eine Anstellung als Fahrer zu bekommen, um an ein Fahrzeug zu gelangen. Dies gelang ihm allerdings nicht.

Weitere Vorwürfe beziehen sich auf eine Reise des Deutschen kurdischer Herkunft in den Nahen Osten. Ende Juli 2016 soll sich W. im Irak der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) als Mitglied angeschlossen haben und an einem Scharfschützengewehr ausgebildet worden sein.

In dieser Zeit soll er in der irakischen Stadt Erbil das Gebäude des Regierungschefs als mögliches Anschlagsziel ausgekundschaftet haben. Zurück in Deutschland soll er außerdem Propagandavideos produziert und anderen IS-Mitgliedern bei der verschleierten Kommunikation im Internet geholfen haben.

Zu seiner Radikalisierung könnte der Hildesheimer Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias Abu Walaa beigetragen haben, der mit mehreren Mittätern Männer für den IS rekrutiert haben soll und sich deswegen derzeit in Celle vor Gericht verantworten muss. W. soll an einem mehrtägigen Seminar des Imams teilgenommen haben.

Nach Auskunft seines Anwalts bestreitet W. die Terrorvorwürfe. Hauptbelastungszeuge in dem Verfahren ist ein türkischstämmiger V-Mann des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, der sich mit W. anfreundete. Ungewöhnlich ist, dass W. zuvor seinerseits den V-Mann als Terrorverdächtigen bei der Polizei angezeigt haben soll.

Weitere Hinweise auf die mutmaßlichen Taten ergeben sich aus den Überwachungsprotokollen der Polizei. W. wurde einige Zeit rund um die Uhr überwacht. Der fünfte Strafsenat des Stuttgarter OLG unter Vorsitz von Herbert Anderer setzte zunächst zehn Verhandlungstage für das Verfahren an. Ein Urteil könnte im Jänner fallen.




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