Letztes Update am Fr, 09.11.2018 14:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Experte: 500 Mio. Euro Einsparpotenzial durch Physikalische Medizin



Wien (APA) - Auf rund 2,1 Milliarden Euro beliefen sich die Krankenstandkosten 2013 in Österreich bei Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Ohne physikalische Therapie verlängern sich die Krankenstände um rund ein Viertel - 497 Millionen Euro ließen sich mit derartigen Behandlungen, individuell angepasst, einsparen, rechnete Mediziner Friedrich Hartl am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien vor.

Der Obmann der Bundesfachgruppe Physikalische Medizin und Allgemeine Rehabilitation der Österreichischen Ärztekammer hat - eigenen Angaben zufolge - das Potenzial von einer halben Milliarde Euro anhand von offiziellen Daten der Statistik Austria und Sozialversicherung ermittelt. Setzte man früher nach Operationen oder auch bei schweren Erkrankungen oft relativ lange auf Schonung, wird der Patient nun häufig individuell von der Anamnese bis zur vollständigen Genesung mit einer breiten Palette aus dieser Fachrichtung begleitet, lange Komplettausfälle werden möglichst vermieden. Von Krebs bis Kreuz-, Hüft- oder Knieproblemen, sowohl bei Untersuchungungen als auch Behandlungen „von Kopf bis Fuß“ könne diese komplexe Fachrichtung effizient den gesamten Krankheitsverlauf ergänzen. Sowohl Genesungschancen als auch Lebensqualität können sich kontinuierlich signifikant verbessern, sagte SMZ-Ost-Primaria Tatjana Paternostro-Sluga.

Dabei stehe ein „holistischer Ansatz“ im Fokus. Zeitnahe Behandlungen und möglichst kurze Wartezeiten erhöhen die Wirksamkeit von Rehab- und Nachsorge-Angeboten. „Der Versorgungsgrad wird besser“, betonte Christian Wiederer, Ärztlicher Direktor am Kurpark Baden. Wirksamkeit und Effizienz seien in einer wissenschaftliche Untersuchung aus Norwegen bestätigt worden: Bei Patienten mit unspezifischem Kreuzschmerz im Alter zwischen 20 und 65 Jahren zeigte sich, dass eine physikalische Therapie die Dauer der Krankenständen gegenüber der Kontrollgruppe um 23 Prozent verkürzte. „Ein Euro mehr für die Physikalische Therapie bedeutet somit alleine bei den Kosten für Krankenstände eine Einsparung von zwei Euro“, erläuterte Hartl.

Die Gesamtausgaben für diese Methoden, zu denen etwa Wärme in Form von Packungen, therapeutischer Ultraschall, Elektro- oder Mechanotherapie, Training oder Heilmassagen zählen, werden mit der Hälfte dieser Ersparnis eingeschätzt. Häufig werden multi-modale Programme eingesetzt, die auch Einschränkungen entgegen wirken können, bevor sie entstehen oder chronisch werden. Ein Fokus gilt etwa dem „Schmerzgedächtnis“.

Neben der Kosten-Nutzen-Abschätzung spricht für die Physikalischen Medizin, dass kaum Risiken und Neben- oder Wechselwirkungen entstehen. Häufig stehe unterm Strich eine klare Einsparung, wenn zeitnah und adäquat gehandelt wird. Derzeit ist die Versorgung in den Ballungszentren meist am besten. Anlässlich der Jahrestagung am Freitag und Samstag präsentierten die Branchenvertreter aktuelle Highlights und Trends: So gewinnen etwa digitale Rehab-Angebote an Bedeutung, das Fach unterstützt aber auch beispielsweise in Sachen Nachsorge.

(S E R V I C E - Mehr Informationen unter https://www.oegpmr.at oder www.orientierungshilfe-pmr.at)




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