Letztes Update am Fr, 09.11.2018 15:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spionagefall - Stichwort: Russischer Militärgeheimdienst GRU



Wien/Moskau (APA) - Der russische Militärgeheimdienst GRU war in jüngster Zeit auch immer wieder in westlichen Medien aufgetaucht - vor allem im Zusammenhang mit den jüngsten mutmaßlichen Enttarnungen im Fall des Ex-Agenten Sergej Skripal. Nun könnte er auch in den Fall um den Spionageverdacht gegen einen pensionierten Bundesheer-Offizier verwickelt sein - auch wenn Moskau dies dementiert.

Die Einrichtung hat kürzlich ihr hundertjähriges Bestehen gefeiert. Präsident Wladimir Putin würdigte zu diesem Anlass die „Professionalität“ und den „Mut“ der Agenten des Militärgeheimdienstes. Bei einer Feier im Armeetheater in Moskau sagte Putin: „Ich kenne Ihre - ohne zu übertreiben - einzigartigen Fähigkeiten, auch bei Spezialeinsätzen. Er sei überzeugt, dass jeder der GRU-Agenten „alles für Russland und unser Volk tut“, sagte der ehemalige KGB-Spion.

Die junge Sowjetmacht hatte im November 1918 einen Geheimdienst für ihre Streitkräfte gegründet - offiziell „Hauptverwaltung der Aufklärung“ (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) genannt. Seitdem ist der Dienst für Spionageabwehr in der Armee zuständig und spioniert seinerseits fremde Militärgeheimnisse aus. Er hat eine Kommandotruppe Speznas, die hinter den feindlichen Linien operieren kann. Auch die Hackergruppe Fancy Bear, die in Cyberangriffe auf die USA verwickelt sein soll, wird von Experten dem GRU zugerechnet.

Lange Zeit galt der GRU als Rivale des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Doch seit der Auflösung des KGB ist der GRU die Nummer eins unter den Moskauer Geheimdiensten, zu denen noch der Inlandsgeheimdienst FSB und der Auslandsgeheimdienst SWR gehören.

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Skripal in Großbritannien vom März nannten die britischen Behörden im September zwei Russen als mutmaßliche Täter. Recherchen identifizierten sie als Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes. Danach förderte die Suche in Datenbanken mehrere hundert Namen mutmaßlicher Agenten zutage - unter anderem, weil sie ihre Autos auf die GRU-Zentrale registriert hatten. Moskau streitet eine Verwicklung in die ihm vom Westen vorgeworfenen Fälle vehement ab.




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