Letztes Update am So, 18.11.2018 06:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tolu rät in Türkei gefangenen Deutschen: Geht an die Öffentlichkeit



Berlin (APA/dpa) - Die über Monate in der Türkei inhaftierte deutsche Journalistin Mesale Tolu rät anderen aus politischen Gründen festgesetzten Deutschen in dem Land, an die Öffentlichkeit zu gehen. „Tatsächlich wurde mir von deutschen Vertretern immer wieder mal geraten, doch der stillen Diplomatie eine Chance zu geben“, sagte Tolu der „Welt am Sonntag“. Dies sei ihrer Erfahrung nach aber der falsche Weg.

„Wenn man einfach in seiner Zelle ausharrt und schweigt, passiert nichts. Die Türkei ist kein Rechtsstaat. Abwarten heißt, sein Schicksal anderen in die Hand legen. Und jeder Tag da drinnen ist ein Tag zu viel“, kommentierte Tolu, die unter Terrorvorwürfen angeklagt war, die Türkei aber Ende August verlassen durfte. Sie betonte: „Wenn man Unrecht erfährt, muss man das auf die Tagesordnung setzen.“

Derzeit befinden sich noch mindestens fünf Deutsche aus politischen Gründen in türkischer Haft. Im vergangenen Jahr hatte eine Reihe von Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei eine schwere Krise zwischen Berlin und Ankara ausgelöst. Die prominentesten Fälle waren neben Tolu jene des „Welt“-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtler Peter Steudtner, die beide inzwischen ebenfalls ausreisen durften.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei haben sich zwar wieder entspannt, die deutsche Regierung hat aber mehrfach betont, dass es keine Normalisierung geben werde, bevor nicht die verbliebenen Häftlinge frei seien.

Seit fast zwei Monaten sitzt auch der österreichische Journalist Max Zirngast in der Türkei in Untersuchungshaft. Laut seinen Anwälten wird ihm Nähe zu einer linksgerichteten „terroristischen Vereinigung“ vorgeworfen. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.




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