Letztes Update am So, 18.11.2018 10:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pressestimmen zum britischen Streit um Brexit-Abkommen



London/Brüssel (APA/dpa) - Europäische Zeitungen kommentieren am Sonntag den britischen Streit um das Brexit-Abkommen:

„Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“:

„Das Königreich fährt im Höllentempo Richtung Chaos. Und die Wirtschaft schaut dem Treiben zunehmend entgeistert zu. Zwar bemüht sich Premierministerin Theresa May, das Land vor dem ungeordneten Austritt zu bewahren. Doch ihr Scheidungsvertrag mit der EU wird von ihrer eigenen Partei und der Opposition in der Luft zerrissen, als hätte sie ihr Land ausverkauft und als wäre Großbritannien am längeren Hebel und nicht die EU. Die Parlamentarier in Westminster tun so, als sei May ihr größtes Problem. Dabei würde ihre Absetzung nicht aus dem Brexit-Schlamassel führen. Die einzige Lösung sehen viele Parlamentarier nun darin, kurzerhand den Brexit-Entscheid rückgängig zu machen, also einen demokratischen Volksentscheid zu wiederholen. Damit würde das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik geschwächt, und es wäre keineswegs klar, dass die Briten diesmal gegen den Brexit stimmen würden. Offenbar sind britische Politiker nicht fähig, selbst in dieser Ausnahmesituation, ihre Eigeninteressen und ihren Zynismus zu überwinden und Mays Kompromiss zu unterstützen. So funktioniert weder gute Politik noch eine reife Demokratie.“

„The Observer“ (London):

„Der lange, oft ermüdende und verwirrende Kampf um den Brexit hat sich plötzlich zu einem allumfassenden politischen Drama von epischen Ausmaßen entwickelt. Es ist ebenso fesselnd wie es ärgerlich und alarmierend ist. Die Bühne ist voll von Leichen. Es gibt immer mehr Handlungsstränge. Auf allen Seiten wird Verrat und Betrug gerufen. Doch wenn wir ehrlich sind - und jetzt ist die Zeit für Ehrlichkeit gekommen - weiß niemand, wie oder wo diese Tragödie, diese schwarze Farce enden wird, bei der wir das Leben einer Nation aufs Spiel setzen. (...)

Die EU zu einer Zeit zu verlassen, in der die Welt dunkler wird, in der wir es mit einem erbittert nationalistischen, antiglobalen US-Präsidenten zu tun haben, der Großbritannien öffentlich herabwürdigt, in der Handelskriege die neue Norm sind, Russland rebellischer ist als je zuvor seit dem Kalten Krieg - das ist nichts anderes als Wahnsinn, ein schrecklicher Akt der nationalen Selbstopferung.“




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