Letztes Update am So, 18.11.2018 10:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rebellenführer Afrikas an Weltstrafgericht in Den Haag überstellt



Bangui/Den Haag (APA/dpa) - In der Zentralafrikanischen Republik tobt ein Krieg. Bürger werden ermordet, gefoltert, deportiert. Kinder zu Soldaten gemacht. Jetzt kommt einer der Rebellenführer vor Gericht.

Erstmals seit Ausbruch des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik vor sechs Jahren ist ein Rebellenführer an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überstellt worden. Alfred Yekatom, auch Rambo genannt, wurde dem Gericht übergeben. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wie Mord, Folter und Deportationen zur Last gelegt.

Chefanklägerin Fatou Bensouda begrüßte die Auslieferung am späten Samstagabend. „Der Lauf der Gerechtigkeit in der Zentralafrikanischen Republik wurde mit der heutigen Auslieferung gestärkt.“ Yekatom war vor zwei Wochen festgenommen worden. Er muss sich für Verbrechen im Westen des Landes vom Dezember 2013 bis August 2014 verantworten.

Der Angeklagte soll Anführer einer Fraktion der christlichen Anti-Balaka-Milizen gewesen sein, die gegen die muslimischen Seleka in der früheren französischen Kolonie kämpfen. Nach Informationen der Anklage standen rund 3.000 Rebellen unter seinem Kommando. Ihnen werden Morde, Deportationen, Folter und der Einsatz von

Kindersoldaten in der Hauptstadt Bangui und anderen Orten vorgeworfen. Yekatom sei als Befehlshaber dafür verantwortlich gewesen. „Jetzt muss er sich für seine Taten im Gericht verantworten,“ sagte Anklägerin Bensouda. Wann er erstmals dem Haftrichter vorgeführt wird, war noch nicht bekannt.

Es wird das zweite Verfahren des Weltstrafgerichts zu Verbrechen in der Zentralafrikanischen Republik. Im Sommer war überraschend im Berufungsverfahren der frühere Vizepräsident des Kongo, Jean-Pierre Bemba, für Verbrechen seiner Milizen in dem Land freigesprochen worden.

Nach UN-Angaben sind in dem Land knapp 1,3 Millionen Menschen auf der Flucht - etwa ein Viertel der Bevölkerung. Rund die Hälfte der 4,6 Millionen Einwohner ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

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