Letztes Update am So, 18.11.2018 15:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ein Tod mit vielen Versionen - Riads Erklärungen im Fall Khashoggi



Riad/Istanbul (APA/dpa) - In der Affäre um das Verschwinden und den Tod des Regierungskritikers Jamal Khashoggi wollte die Regierung Saudi-Arabiens zuerst nichts von einem Verbrechen wissen. Dann änderte Riad seine Versionen des Verbrechens wieder und wieder. Eine Übersicht der wichtigsten Wendungen.

2. Oktober: Kurz nach 13 Uhr betritt Khashoggi das saudische Konsulat in Istanbul und kommt nicht mehr heraus.

3. Oktober: Das Verschwinden des Journalisten wird öffentlich.

4. Oktober: Saudische Behörden beteuern, dass Khashoggi erst verschwand, nachdem er die Auslandsvertretung des Königreichs verlassen hatte. Die Türkei bestellt den Botschafter der Wüstenmonarchie ein.

5. Oktober: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman sagt dem Nachrichtendienst Bloomberg in einem vorher geführten Interview: „Soweit ich weiß, ist er reingegangen und nach wenigen Minuten oder einer Stunde wieder rausgekommen. Ich bin nicht sicher.“

10. Oktober: Türkische Medien veröffentlichen Bilder des 15-köpfigen saudischen Spezialteams, das - wie sich später bestätigt - für die Tötung Khashoggis verantwortlich war.

12. Oktober: Nach internationalem Druck reist ein Team von Fachleuten aus Saudi-Arabien nach Istanbul, um der Vorfall zu untersuchen.

13. Oktober: Saudi-Arabiens Innenminister bekräftigt, sein Land habe nichts Illegales getan.

16. Oktober: US-Außenminister Mike Pompeo besucht zur Klärung des Falls Riad und spricht mit König Salman und Kronprinz Mohammed.

20. Oktober: Saudi-Arabien räumt nach immensem Druck den Tod Khashoggis im Konsulat ein. Es sei zu einer Prügelei gekommen, in deren Folge Khashoggi gestorben sei. Gleichzeitig werden hohe Berater des Königshauses entlassen.

21. Oktober: Mehrere westliche Regierungen, darunter die USA, machen deutlich, dass die Erklärungen Riads nicht ausreichend sind. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigt einen vorläufigen Exportstopp aller Rüstungsgüter in das Königreich an.

24. Oktober: Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Beginn der Affäre bezeichnet Mohammed bin Salman Khashoggis Tod als „abscheulichen Vorfall“. Die Tat sei „schmerzhaft“ für alle Saudis und durch nichts zu rechtfertigen. Die Verbrecher würden vor Gericht gestellt.

25. Oktober: Nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Tod Khashoggis als von langer Hand geplant bezeichnet hatte, ändert nun auch Saudi-Arabien seine Darstellung. Die Verdächtigen hätten nach Aussagen der Generalstaatsanwaltschaft mit Vorsatz gehandelt.

11. November: Erdogan teilt mit, er habe Tonbandaufnahmen der Tötung mit westlichen Geheimdiensten geteilt, unter anderem denen der Vereinigten Staaten und Deutschlands.

15. November: Die saudische Generalstaatsanwaltschaft fordert den Tod von fünf Tatbeteiligten und klagt insgesamt elf Männer an. Dieser Version zufolge war der Tod Khashoggis nicht beabsichtigt, sondern die Folge einer Injektion des Spezialteams, die ihn betäuben sollte. Seine Leiche sei zerstückelt, aus dem Konsulat gebracht und einem lokalen Mitarbeiter übergeben worden. Drahtzieher sei der ehemalige Vize-Geheimdienstchef Ahmed al-Asiri gewesen. Außenminister Adel al-Jubair betont, dass Kronprinz Mohammed bin Salman von nichts gewusst habe.

17. November: Der US-Geheimdienst CIA sieht Mohammed bin Salman nach Auswertung mehrerer Quellen als Drahtzieher der Tötung.




Kommentieren