Letztes Update am So, 18.11.2018 16:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trump will Aufnahme zu Khashoggis Tod nicht anhören



Washington/Ankara (APA/dpa/Reuters) - US-Präsident Donald Trump will die türkische Audioaufnahme zum Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi nicht anhören. „Wir haben die Aufnahme. Ich möchte das Band nicht anhören, es gibt keinen Grund für mich, das Band anzuhören“, sagte Trump in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des Senders Fox News.

Auf Nachfrage des Journalisten Chris Wallace begründete Trump seine Haltung damit, dass es eine leidvolle und schreckliche Aufnahme sei.

„Ich wurde umfassend darüber informiert, es gibt keinen Grund für mich, es zu hören“, erklärte der Präsident. Er habe seine Berater gefragt, ob er es anhören solle und sie hätten ihm davon abgeraten. „Ich weiß alles, was auf dem Band vorkommt, ohne es hören zu müssen. Es ist sehr brutal, sehr grausam und schrecklich.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor gut einer Woche erstmals offiziell die Existenz von Tonaufnahmen zur Ermordung Khashoggis bestätigt. Sie seien mit einer Reihe von Ländern geteilt worden - auch mit Deutschland und den USA. Was genau auf den Bändern zu hören ist, ist unklar. Die New York Times zitierte aber von einer Aufnahme, auf der ein Mitglied eines 15-köpfigen Spezialteams nach der Tötung offenbar in Riad anruft und berichtet, die Tat sei ausgeführt. US-Medienberichten zufolge ließ die türkische Regierung der CIA-Direktorin Gina Haspel bei einem Besuch in Ankara Audioaufnahmen von der Tötung Khashoggis vorspielen.

Trump kündigte am Samstag an, bis Dienstag einen Bericht zu der Ermordung des Journalisten vorlegen zu wollen. US-Medien hatten zuvor berichtet, dass der Auslandsgeheimdienst CIA zu der Einschätzung gelangt sei, dass Thronfolger Mohammed bin Salman selbst die Tötung des Journalisten und Regierungskritikers im Konsulat in Istanbul angeordnet habe. Die US-Regierung erklärte aber, dass die Einschätzung der CIA noch nicht der abschließende Bericht sei.

Die Leiche des saudischen Journalisten könnte nach Einschätzung der türkischen Regierung zerstückelt und in Gepäckstücken außer Landes gebracht worden sein. Dabei könnte den Verantwortlichen mit Diplomatenpässen nichts im Weg gestanden haben, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Sonntag laut dem Sender CNN Türk.

Dies sei eine mögliche Erklärung für den Verbleib der Leiche. Khashoggis Mörder könnten die Türkei drei bis vier Stunden nach der Tat verlassen haben, fügte Akar auf einer internationalen Konferenz im kanadischen Halifax hinzu. Khashoggi war Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Seine Leiche blieb verschwunden.

Erst nach längerem Zögern hatte Saudi-Arabien die Tat eingeräumt. Laut der Türkei waren daran 15 Personen beteiligt, darunter ein zweiköpfiges Team zur Beseitigung der Leiche. Dass diese zerstückelt wurde, war bereits zuvor vermutet worden. Die Türkei wollte aber auch dem Verdacht nachgehen, dass Khashoggis sterbliche Überreste in Säure aufgelöst wurden.

Saudische Ermittler erklärten, die Leiche sei zerteilt worden, aus dem Konsulat gebracht und „örtlichen Helfern“ übergeben worden. Die saudische Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe für fünf Verdächtige. Insidern zufolge geht die CIA davon aus, dass letztlich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hinter der Ermordung des regierungskritischen Journalisten steckt.




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