Letztes Update am So, 18.11.2018 16:50

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anti-IS-Koalition bestreitet zivile Opfer bei Luftangriffen in Syrien



Beirut (APA/AFP) - Die internationale Anti-IS-Koalition hat Berichte über zivile Opfer bei ihren jüngsten Luftangriffen im Osten Syrien dementiert. Bei den Einsätzen gegen Mitglieder der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der Provinz Deir Ezzor (al-Zor) seien keine Unbeteiligten getötet worden, teilte die US-geführte Militärallianz am Sonntag mit.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte zuvor erklärt, unter den 43 Getöteten seien auch 36 Angehörige von IS-Kämpfern.

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass bei den 19 Luftangriffen auf Stellungen der Jihadisten am Freitag und Samstag Zivilisten getötet worden seien, erklärte die Anti-IS-Koalition. In der Region seien aber zehn weitere Luftangriffe registriert worden, die nicht von den Verbündeten ausgegangen seien.

Der Sondergesandte der US-Regierung für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, machte am Sonntag indirekt die syrische Armee für diese Bombardements verantwortlich und rief dazu auf, „den unkoordinierten Beschuss“ von der anderen Seite des Euphrats einzustellen. Von dort aus nehmen die syrischen Regierungstruppen die IS-Bastion immer wieder unter Beschuss. Die von der Anti-IS-Koalition unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) greifen die Jihadisten von der anderen Flussseite aus an.

Die Syrische Beobachtungsstelle hatte am Samstag erklärt, bei den Luftangriffen der Allianz auf das Dorf Abu Husn seien insgesamt 43 Menschen getötet worden, unter ihnen 17 Kinder und 19 weitere Angehörige von IS-Kämpfern. Erst am Dienstag waren der Beobachtungsstelle zufolge bei Luftangriffen der US-geführten Koalition auf die Ortschaft al-Shaafa 32 Familienangehörige von IS-Kämpfern getötet worden.

Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort und bestimmt anhand des Flugzeugtyps, der Flugbewegungen und der eingesetzten Munition die Urheber von Luftangriffen. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Laut der Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der Offensive der SDF auf die verbliebenen IS-Hochburgen in Deir Ezzor im September bei Luftangriffen der Koalition insgesamt 234 Zivilisten getötet, unter ihnen 82 Kinder.

Die Militärallianz dementierte diese Berichte wiederholt. Nach ihren Angaben kamen bei ihren Luftangriffen seit Beginn des Anti-IS-Einsatzes vor vier Jahren insgesamt rund 1100 Zivilisten in Syrien und dem benachbarten Irak zu Tode. Die IS-Miliz hatte 2014 große Gebiete in den beiden Ländern erobert, inzwischen wurden die Jihadisten aber weitgehend zurückgedrängt.

Am Samstag verlor der IS auch seinen letzten Stützpunkt im Süden Syriens. Soldaten der Regierung von Machthaber Bashar al-Assad hätten den Ort Tulul al-Safa nach einer wochenlangen Offensive eingenommen, teilte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die IS-Kämpfer zogen sich demnach in Richtung der Badia-Wüste zurück. Tulul al-Safa liegt zwischen den Provinzen Damaskus und Suweida.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Regierungstruppen hätten einen „bedeutenden Fortschritt“ in Tulul al-Safa erzielt. Die „befreiten Zonen“ würden weiter auf der Suche nach Jihadisten durchkämmt. Mittlerweile kontrollieren die von Russland unterstützten Regierungstruppen wieder zwei Drittel des syrischen Staatsgebiets.




Kommentieren