Letztes Update am Mo, 19.11.2018 09:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dystopien und Utopien: „Literatur im Herbst“ über die Zukunft



Wien (APA) - Angst oder Hoffnung? Gedanken über die Zukunft machen sich 18 Autoren und Wissenschafter ab Freitag (23. November) im Rahmen des Festivals „Literatur im Herbst“ im Wiener Odeon. „Anderswelten. Über Dystopien und Utopien“ heißt das Programm aus Lesungen und Diskussionen, das am Sonntag mit einer Filmmatinee in der Alten Schmiede ergänzt wird. Gezeigt wird Kurt Langbeins Doku „Zeit für Utopien“.

„Besser Kunst als Hoffnung, besser Kunst als Angst“, nennt der 48-jährige deutsche Autor, Publizist und Übersetzer Dietmar Dath seinen Eröffnungsvortrag (23.11., 19 Uhr). Als Dath heuer den erstmals vergebenen Günther Anders-Preis für kritisches Denken erhielt, lobte die Jury insbesondere den „aktivierenden Impuls, der von Daths Texten ausgeht“, sowie sein „hartnäckiges, aber auch das Scheitern reflektierendes Festhalten an der Möglichkeit einer verbesserten Welt“.

Am Samstag wird aus sehr unterschiedlichen Zukunftsszenarien gelesen. Die in Berlin lebende Autorin Karin Kalisas lässt in ihrem heiteren und positiv gestimmten Romandebüt „Sungs Laden“ die vietnamesische Community den Prenzlauer Berg kulturell umcodieren. Georg Klein entwirft dagegen in „Miakro“ einen unterirdischen Bürokomplex, in dem Arbeit buchstäblich das ganze Leben bestimmt. In „Autonom“, dem ersten Roman der US-Wissenschaftsjournalistin Annalee Newitz, arbeiten sich Menschen mithilfe einer Designerdroge zu Tode.

Nach einem zweiten Debattenforum stehen am Sonntagnachmittag Fluch und Segen von Technologien im Mittelpunkt. Mit einer Gesellschaft nach dem Internet befasst sich die 30-jährige Josefine Rieks in ihrem Romandebüt „Serverland“, während US-Autor Joshua Cohen in seinem „Buch der Zahlen“ die Geschichte des Computerzeitalters mit Überlegungen zur Zukunft von Lesen und Leben verbindet. Sein 750-Seiten-Roman ist vieles zugleich: Huldigung technischen Fortschritts und gesellschaftliche Dystopie, Abenteuerroman (der übrigens auch nach Wien führt) und theoretische Reflexion über die Bedingungen unseres Tuns, Satire und Science-Fiction. Eine szenische Lesung aus dem Buch und ein Gespräch mit Moderator Ilija Trojanow beschließen am Sonntagabend das Festival.

(S E R V I C E - Literatur im Herbst 2018: „Anderswelten. Über Dystopien und Utopien“, 23. bis 25. November, Theater Odeon, https://www.alte-schmiede.at/festivals/literatur-im-herbst-2018/)




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