Letztes Update am Mo, 19.11.2018 10:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Pressestimmen zur Debatte um Nachfolge des CSU-Chefs



Berlin (APA/AFP) - Deutsche Tageszeitungen kommentieren am Montag die Debatte um Horst Seehofers Nachfolger als CSU-Chef:

„Frankfurter Allgemeine“:

„Markus Söder will CSU-Vorsitzender werden. Manfred Weber will das nicht, zumindest ‚im Moment nicht‘. (...) Doch wenn sich eine Lehre aus den letzten Jahren ziehen lässt, dann ist es die: Der Versuch, Gegensätze in einer Partei (oder Union) zu vereinen, indem die Führungsleute für unterschiedliche politische Richtungen oder zumindest Stile stehen, geht öfter nach hinten los als nach vorn. Parteien müssen, wenn sie Volksparteien bleiben wollen, einen riesigen Spagat hinbekommen zwischen arm und wohlhabend, Stadt und Land, zwischen weltoffen und globalisierungskritisch. Aber dieser Spagat gelingt nicht, indem möglichst viele unterschiedliche Gesichter in die Auslage gestellt werden. Er kann nur durch eine klare Linie gelingen, mit der möglichst viele Wähler leben können, und einer Führung, die diese Linie glaubhaft verkörpert.“

„Frankfurter Rundschau“:

„Zunächst ist offen, was für eine Art CSU dem Nachfolger von Horst Seehofer vorschwebt. Bis in den Sommer hinein hatte er den Hardliner gegeben, den man schon vorher kannte. Im Lichte der schlechten Umfragewerte hat Söder dann umgeschaltet von Krawall auf Harmonie. Bleibt es dabei? Hat der bayerische Ministerpräsident überhaupt eine konzeptionelle Idee, wie sich die CSU zu alter Stärke zurückführen lässt? Derzeit ist das nicht erkennbar. Wichtiger ist die Frage, was aus Seehofer wird. Es ist nun an Söder, deutliche Ansagen zu machen. Entweder der künftige CSU-Vorsitzende bewegt den bisherigen CSU-Vorsitzenden zu einer seriösen, an Staatsinteressen orientierten Amtsführung. Oder er benennt einen neuen Innenminister. Der aktuelle Schwebezustand ist für alle unzumutbar.“

„Die Welt“ (Berlin):

„Ein Franke, der schon bayerischer Ministerpräsident ist, wird nun wohl auch CSU-Chef. Es kommt für Markus Söder so folgerichtig, von Zeitläufen und Zufall in die für ihn richtigen Bahnen gelenkt, dass die angeschlagene bayerische Staatspartei nur noch gott- oder schicksalsergeben der neuen Söder-Zeit entgegenblicken kann. Manfred Webers Verzicht auf die Kandidatur war unvermeidlich. So kommt es im Jänner nun zu einem geordneten Übergang des Parteivorsitzes von Seehofer zu Söder. Kein Putsch, kein Stich, kein Königssturz - das ist ja auch für die CSU etwas Neues.“




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