Letztes Update am Mo, 19.11.2018 10:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Durchlässigkeit an Hochschulen: Oft Probleme mit Anrechnungen



Wien (APA) - Bei einem Studienwechsel oder nach einem Auslandsaufenthalt haben Studenten immer wieder Probleme, sich anderswo erbrachte Studienleistungen anrechnen zu lassen. „Sehr polemisch ausgedrückt: Das System geht davon aus, dass der Mensch in Graz anders gebaut ist als in Wien“, so ÖH-Vorsitzende Hannah Lutz zur APA. Am Montag widmet sich eine Tagung der Ombudsstelle für Studierende dem Thema.

Besonders krasses Beispiel: Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) unterstützte zuletzt einen Studenten, der zunächst als Mitbeleger an einer anderen Uni eine Prüfung absolvierte. Später wechselte er sein Studium und kam nun als ordentlicher Studierender an die betreffende Uni, die ihm allerdings die an ihr selbst absolvierte Prüfung nicht anrechnen wollte. Argument: Es habe kein Mitbelegerbescheid nachgewiesen werden können.

„Aber das ändert ja nichts daran, dass er die Prüfung gemacht hat“, meinte Lutz. Generell würden sich die Studenten oft scheuen, solche Verfahren zu führen. Der oben genannte Fall habe von der Antragstellung im Sommersemester 2016/17 bis zur letztinstanzlichen - für den Studenten negativen - Entscheidung im April 2018 gedauert. Bei der ÖH-Bundesvertretung betreue man meist drei bis vier Fälle parallel. „Bei uns schlagen aber vor allem die Härtefalle auf - also jene, die auch bereit sind zu klagen.“ Viele Fälle würden schon vorab von den lokalen Hochschulvertretungen geklärt.

„Was am schlechtesten funktioniert, ist eine Anrechnung von Studienleistungen über verschiedene Hochschulsektoren“, so Lutz - also wenn etwa Studenten von einer Fachhochschule an eine Uni wechseln. Aber auch von Uni zu Uni im gleichen Fach gebe es immer wieder Probleme: „Bei den Rechtswissenschaften ist das oft sehr mühsam. Viele Hochschulen gehen davon aus, dass ihre Fakultät die beste ist und man deshalb nicht anrechnet.“

Weiteres Problem: „Es gibt auch Fälle, wo Lehrveranstaltungen vom Inhalt her ident sind, wo die gleichen Bücher und Skripten verwendet werden, aber die trotzdem mit einer anderen ECTS-Punktezahl bewertet werden“, so Lutz. Folge: Schwierigkeiten bei der Anerkennung.

In einer anderen Form stelle sich das gleiche Problem, wenn Bachelor-Absolventen an einer anderen Unis ein Masterstudium anhängen wollen. „Da heißt es dann oft, dass sie in einem bestimmten Bereich zu wenige ECTS gemacht haben und deshalb etwas nachbringen müssen.“ Das System sei noch dazu schnelllebig, die Bestimmungen würden sich immer wieder ändern. „Da kommen wir mit der Beratung oft schwer nach“, so Lutz. Positives Beispiel seien hier die technischen Studien: In der Informatik gebe es etwa eine eigene Durchlässigkeitsplattform mit genauen Infos.

Bei Auslandaufenthalten seien die Anrechnungen zuletzt immer schwieriger geworden, berichtete Lutz. Früher habe es in den Studienplänen einen viel größeren Rahmen frei zu wählender ECTS gegeben. Je weniger Studienleistungen man sich aber im Rahmen von Wahlfächern anrechnen lassen könne, desto schwieriger werde es für die Studierenden. „Im Vorhinein ist oft nicht klar, was angerechnet wird und was nicht. Es gibt da viele Einzelfallentscheidungen und wenige Datenbanken, auf die man zugreifen kann.“

Als Lösungsmöglichkeit sieht Lutz hier wieder die Schaffung von mehr Wahlfreiheit im Studium. Außerdem müsse man sich die „ECTS-Gerechtigkeit“ ansehen. „Es gibt Studien, die bei gleicher ECTS-Punktezahl eine wesentlich höhere Durchschnittsstudiendauer aufweisen als andere. Bei gleicher Bewertung ist der Workload höher.“ Das betreffe etwa vor allem technische Studien.




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