Letztes Update am Mo, 19.11.2018 10:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


CS rechnet für Hypotheken-Vergleich mit halb so hohen Kosten



Zürich (APA/awp/sda) - Die Credit Suisse wird im Hypothekenstreit deutlich besser wegkommen, als es vor zwei Jahren den Anschein hatte. Die vom US-Justizministerium geforderte Entschädigung für Kreditnehmer kostet die Großbank voraussichtlich lediglich 120 Mio. US-Dollar (105,8 Mio. Euro) statt der kolportierten 2,8 Mrd.

Kurz vor Weihnachten 2016 hatten die Großbank und die US-Behörden eine Grundsatzvereinbarung erzielt. Damals hatte es geheißen, die CS zahle im Rahmen eines Vergleichs eine Geldstrafe von 2,48 Mrd. US-Dollar an das Department of Justice (DoJ) sowie „Entschädigungszahlungen an Kunden von insgesamt 2,8 Mrd. US-Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren“. Beim Streit ging es um den Verkauf fauler, mit Wohnimmobilien besicherter Wertpapiere (RMBS) in der Zeit vor der Finanzkrise.

Das provozierte die falsche Schlussfolgerung, die Bank habe sich für insgesamt 5,28 Mrd. außergerichtlich geeinigt. Und so wird es in den Medien auch immer wieder geschrieben. Nun stellte die Credit Suisse gegenüber der Nachrichtenagentur AWP klar: Die Bank rechne mit Gesamtkosten für den RMBS-Vergleich von lediglich rund 2,6 Mrd. US-Dollar.

Die große Differenz ergibt sich, weil die Bank mit einem deutlich geringeren Aufwand für die Entschädigungszahlungen rechnet. Anstatt 2,8 Mrd. dürften lediglich 120 Mio. US-Dollar fließen. Möglich ist das, weil die Entschädigung für Kunden (im Englischen „consumer relief“) in Form von sogenannten „Credits“ abgerechnet wird.

Das bedeutet: Die Credit Suisse muss sich bis Ende 2021 „Credits“ in der Höhe von 2,8 Mrd. US-Dollar verdienen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bank tatsächlich 2,8 Mrd. ausgeben muss.

So kann die Großbank Punkte erwerben, indem sie zum Beispiel Darlehen für Eigenheimbesitzer anpasst, die Schwierigkeiten haben, ihre Hypothekenzahlungen zu leisten. Oder sie kann andere von der Finanzkrise betroffene notleidende Personen entlasten, sowie erschwinglichen Wohnraum für Einkommensschwache finanzieren.

Im Vergleich wurde festgelegt, welche Art von „Entschädigung“ wie viele Credits einbringt. Dass die Entschädigung damit nicht 2,8 Mrd. US-Dollar entspricht, war offenbar von Anfang an klar.

Anders als der Begriff „Entschädigung“ suggeriert, hat sich die Großbank damit auch nicht ausschließlich zur Entschädigung von Anlegern verpflichtet, die in der Finanzkrise mit CS-Ramschpapieren einen Verlust erlitten hatten. In einer Medienmitteilung vom Jänner 2017 wurde dies bereits angedeutet. Die Bank schrieb damals: „Diese Entschädigungen an Kunden umfassen Zahlungen für erschwinglichen Wohnraum sowie den Erlass von Hauptschuld und Zinsen bei erst- und zweitrangigen Hypotheken.“

Im März 2018 hat die Credit Suisse gemäß dem dafür installierten Monitoring zunächst versuchshalber eine Stichprobe von 100 Fällen eingereicht, in denen die Darlehensrückzahlung erlassen oder vermindert wurde. Die monatlichen Zahlungen für die betroffenen Kreditnehmer reduzierten sich gemäß dem Monitoring-Berichten im Durchschnitt um 35 Prozent oder 408 US-Dollar. Mit den Erleichterungen konnte sich die Bank bis Ende August Credits in der Höhe von rund 3,5 Mio. US-Dollar verdienen.

Nun ist sie übergegangen, im Großen Stil angepasste Darlehen nachzuweisen. Außerdem seien auch „signifikante Fortschritte“ bei der Finanzierung von erschwinglichem Wohnraum gemacht worden, heißt es in den Berichten.

Bereits im März 2017 hatte der Ökonom Lawrence Summers in einer Kolumne für die „Financial Times“ geschrieben, dass die Banken bei diesen Kundenentschädigungen de facto deutlich günstiger wegkommen. Null sei eine bessere Schätzung für die Kosten, welche diese für die Entlastung der Kunden aufbringen müssten - und nicht annähernd die großen Summen, die von den Instituten oder dem DoJ genannt würden, so die Aussage.

Summers spricht von einer „systematischen Übertreibung“ über die Belastung der Banken bei den RMBS-Vergleichen. Beim Lesen der „typischen Medienmitteilungen“ sei man „naiverweise“ davon ausgegangen, dass es sich um Zahlungen an Kunden oder Ähnliches handelte.

Die ursprünglichen Bedingungen des Vergleichs zwischen der Credit Suisse und dem DoJ haben sich nicht verändert. Die Bank selbst gibt - außer der neuen Guidance zu den erwarteten Kosten - keine weiteren Details bekannt. Was es mit der Diskrepanz zwischen den 120 Mio. und den 2,8 Mrd. auf sich hat, bleibt von ihrer Seite unbeantwortet.

Wie die Credit Suisse einigten sich auch zahlreiche andere Großbanken im RMBS-Fall in den USA mit Milliardenzahlungen. Die UBS konnte sich als einzige globale Bank noch nicht einigen und will nun vor Gericht ziehen. Am 8. November 2018 reichte das US-Justizministerium Zivilklage gegen die Schweizer Großbank ein.

~ ISIN CH0012138530 WEB https://www.credit-suisse.com ~ APA110 2018-11-19/10:22




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