Letztes Update am Mo, 19.11.2018 10:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aufruf mit Folgen: Najem ist eine Schlüsselfigur beim Maidan-Protest



Kiew (APA/dpa) - Der Kiewer Maidan-Protest beginnt mit Mustafa Najem. „Bringt Schirme, Tee, Kaffee, gute Laune und Freunde mit!“, schreibt er am 21. November 2013 in sozialen Netzwerken. Was nach einer harmlosen Veranstaltung in Kiew klingt, entwickelt sich im Laufe weniger Wochen zu einer der schwersten Krisen in Europa seit Jahren.

Doch wer ist der Mann, dem Tausende Menschen zum Kiewer Unabhängigkeitsplatz (Maidan) folgten? Der aus Afghanistan stammende Reporter Mustafa Najem hat sich in seiner neuen Heimat Ukraine bereits lange vor dem Maidan-Protest einen Namen als Investigativjournalist gemacht. Im Winter 2013/2014 ist er an vorderster Front als Korrespondent für den Internetsender Hromadske TV aktiv.

Als Najem auf Facebook zu einer spontanen Versammlung aufruft, hat die ukrainische Regierung unter Präsident Viktor Janukowitsch wenige Stunden zuvor unter dem Druck des Kremls das Assoziierungsabkommen mit der EU gestoppt. Die Opposition schäumte, auch der heute 37 Jahre alte Journalist will etwas gegen den Russland-Kurs seines Landes unternehmen. Welche Folgen sein Aufruf für die Ukraine haben wird, war ihm nach eigenen Aussagen nicht bewusst. „Es war eine ganz gewöhnliche Geschichte“, sagt er in einem Interview. Es sei einfach eine emotionale Reaktion gewesen - mit gravierenden Folgen für die Ukraine.

Dabei fing sein Lebensweg fern der Kiewer Politik an. Er wird 1981 im sowjetisch besetzten Kabul in Afghanistan als Sohn des Vize-Bildungsministers geboren. 1989, dem Jahr des sowjetischen Rückzugs, wandert die Familie zunächst nach Moskau aus, dann zieht sie nach Kiew. Seit 2004 arbeitet Najem als Journalist, schreibt zunächst für den ukrainischen Ableger der russischen Tageszeitung „Kommersant“. Landesweit bekannt wird der Mann 2011, als er in einer Pressekonferenz Präsident Janukowitsch mit der Frage provoziert: „Warum geht es dem Land schlecht und bei Ihnen ist alles gut?“

Der politische Umbruch in Kiew hat auch Najems Leben verändert. 2014 kommt er mit zwei Mitstreitern über einen Listenplatz für die Partei von Neu-Präsident Petro Poroschenko ins Parlament. Bei der nächsten Parlamentswahl im Oktober 2019 wird er jedoch mit einer anderen Partei antreten. Sein Ziel: Politische Verantwortung zu übernehmen.




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