Letztes Update am Mo, 19.11.2018 11:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pflege: AK will mehr Personal und „Sofortmaßnahmen“



Wien (APA) - Die Arbeiterkammer ortet in der Langzeitpflege Personalknappheit und damit eine entsprechend hohe Belastung der Beschäftigten. Die Folge sei zu wenig Zeit für den einzelnen Pflegebedürftigen. AK-Präsidentin Renate Anderl forderte daher am Montag die Schaffung einer realistischen Personalberechnungsmethode. Als „Sofortmaßnahme“ steht u.a. das Aus für alleine geführte Nachtdienste am AK-Wunschzettel.

Anderl verwies auf einer Pressekonferenz in Wien darauf, dass die Menschen immer älter werden und daher auch der Anteil der Pflegebedürftigen steige. Während aktuell rund 456.000 Menschen Pflegegeld beziehen, werden es laut Schätzungen im Jahr 2050 in etwa 750.000 sein. Daher werde es auch einen erhöhten Bedarf an Beschäftigten in Betreuungs- und Pflegeberufen geben - Pflegeorganisationen rechnen bis ins Jahr 2050 mit einem zusätzlichen Bedarf von rund 40.000 Pflegekräften. Die Situation werde auch durch eine bevorstehende Pensionierungswelle verschärft. Verlässliche Daten zum Personalbedarf werde es Ende 2019 geben, wenn die aktuell laufenden Bestandsregistrierung der Gesundheitsberufe vorliegt.

Damit man mehr Menschen für Tätigkeiten in Pflege und Betreuung begeistern kann, seien die Arbeitsbedingungen entscheidend, betonte Anderl. Um die Jobattraktivität sei es derzeit aber „nicht gut bestellt“, sagte sie. Diesen Befund untermauerte die AK mit einer von ihr in Auftrag gegebene Studie der Universität Innsbruck. Demnach ist die personelle Ausstattung in der stationären Langzeitpflege eindeutig zu gering. Der zwischenmenschliche Aspekt der Pflege und Betreuung wird nicht oder zu wenig als Arbeitsbestandteil anerkannt. Infolgedessen falle die Personalbemessung zu gering aus, so die AK.

Laut der Erhebung bleibt für persönliche Betreuung (emotionale Zuwendung, das persönliche Gespräch mit den Bewohnern oder die Begleitung im Alltag) viel zu wenig Zeit. Arbeitnehmer aus den Pflegeberufen können im Schnitt nicht einmal zehn Prozent ihrer Arbeitszeit für derartige Betreuung aufwenden, so die Studie. Der Löwenanteil der Kommunikation beziehe sich auf die Durchführung der Unterstützung der Pflegebedürftigen im Alltag.

Gefordert wird daher seitens der AK vor allem eine realistischere Personalberechnungsmethode. Anderl verwies auf das Beispiel Deutschland, wo die Bundesregierung eine dreijährige Studie mit 4,4 Mio. Euro Budget beauftragt hatte, um die Grundlagen für eine sinnvolle und angemessene Personalberechnungsmethode zu entwickeln.

Allerdings brauche es neben dieser Maßnahme auch sofortige Schritte. Als solche „Sofortmaßnahmen“ empfiehlt die AK etwa, das Verbot von alleine durchgeführten Nachtdiensten in einer Station oder einem Wohnbereich. Dieser personelle Zusatzbedarf müsse aber zusätzlich finanziert werden, denn bei einer reinen Umschichtung von Tag- auf Nachtdienste würde dann Personal am Tag fehlen, warnt die AK.

Auch dürften etwa Pflegeschüler, Zivildiener oder Freiwillige nicht in die Personalbedarfsrechnung einbezogen werden. Berücksichtigt werden müssten hingegen Fehlzeiten von Mitarbeitern (Urlaube, Krankenstände, Fortbildungen, Mutterschutz). Auch könne es nicht sein, dass in der Nacht keine diplomierte Pflegefachkraft vor Ort ist, betonte Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik der AK Wien.

Dass eine Umsetzung dieser Forderungen zusätzliche Mittel benötigen würde, ist laut Rosoli klar: „Kurz und bündig: Wir brauchen mehr Geld für die Pflege.“ Auch die Tatsache, dass die Pflegeagenden im Verantwortungsbereich der Länder liegen, vereinfacht die Sache nicht. Die Forderung an die Bundespolitik laute daher, „sie möge sich mit den Bundesländern akkordieren, eine bessere Personalbemessung durchzusetzen, sei es durch eine 15a-Vereinbarung oder ein anderes Rechtsinstrument“, so Rosoli.

( 1159-18, 88 x 115 mm)

~ WEB http://www.arbeiterkammer.at ~ APA189 2018-11-19/11:50




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