Letztes Update am Mo, 19.11.2018 12:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Labormedizin - Per Molekulardiagnostik zu neuen Perspektiven



Wien (APA) - Die modernen Verfahren der Labormedizin erlauben genauere Diagnosen und eine bessere Verlaufskontrolle von Krankheiten. Das trifft laut Experten der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC) besonders für virale Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und Krebs zu.

Einen erheblichen Anteil an der Verhinderung viel zu früh auftretender Herzinfarkte etc. könnte in Österreich das Auffinden möglichst vieler Menschen mit familiär bedingter Hypercholesterinämie leisten, sagte Christoph Binder (MedUni Wien/AKH) am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Betroffenen haben von Geburt an viel hohe Blutfettwerte, was frühzeitig zur Atherosklerose führt.

„Wir haben gedacht, das wäre ein relativ seltenes Problem“, sagte Binder. Mittlerweile müsse man davon ausgehen, dass einer von 200 bis 250 Menschen in Österreich zumindest von einem Elternteil die Veranlagung geerbt hat (heterozygot). „In Österreich sind rund 40.000 Individuen davon betroffen. Wir kennen aber nur zehn Prozent.“ Mit einer effektiven medikamentösen Therapie könnte deren Herz-Kreislauf-Risiko stark gesenkt werden.

Bei chronischen Viruserkrankungen - zum Beispiel bei der chronischen Hepatitis C oder Hepatitis B - spielt die Labordiagnostik ebenfalls eine entscheidende Rolle. Auch bei der mit neuen Medikamenten binnen drei Monaten zu 95 Prozent und mehr ausheilbaren Hepatitis C sei in Österreich noch immer eine Dunkelziffer im fünfstelligen Bereich gegeben, sagte Harald Kessler (MedUni Graz). Während es bei der chronischen Hepatitis B vor allem auf die Kontrolle des Effekts einer langfristigen Therapie ankommt, steht man bei der häufig mit der Hepatitis B übertragenen Hepatitis D noch am Anfang. Das Problem: 70 Prozent der Betroffenen rutschen mit der Zeit in ein schweres Leberversagen.

Die Liquid Biopsy - die Analyse von Erbgutfragmenten von Tumorzellen aus dem Blut - hat das Zeug, das Management von onkologischen Erkrankungen zu revolutionieren. „Wir bekommen damit einen Gesamtüberblick über die Tumorerkrankung im Körper. Wir brauchen dazu nur ein Blutröhrchen abzunehmen. Die Methode bietet die Möglichkeit einer Verlaufskontrolle“, sagte Wilfried Renner (MedUni Graz). Während Gewebebiopsien während einer Krebserkrankung zumeist nur ein oder zwei Mal erfolgen, sind Blutproben immer verfügbar.

Veränderungen der Tumorzellen im Verlauf einer langfristigen Therapie lassen sich so relativ leicht nachverfolgen. Dies lässt individuell abgestimmte und jeweils an die aktuelle Situation angepasste Therapieentscheidungen zu. „Wir sind in einer Phase, wo wir das vom Forschungslabor in die Routine umsetzen“, sagte Renner. Die Kosten würden sich durch die Einsparung ineffektiver medikamentöser Therapien amortisieren.




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