Letztes Update am Mo, 19.11.2018 12:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Digitalisierte Medizin - Nur sicher unter sicheren Bedingungen



Wien (APA) - Digitalisierung ist auch in der Medizin zu einem Schlagwort geworden. Für die Sicherheit der Patienten, der Beschäftigten und der Technik sind aber optimale Planung, ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen sowie informierte (potenzielle) Nutznießer notwendig, hieß es Montag bei einer Pressekonferenz der Plattform Patientensicherheit in Wien.

„Nur wenn sich die Mitarbeiter sicher fühlen, kann Output an Patientensicherheit erzielt werden“, sagte Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit und Ärztliche Direktorin des Krankenhauses Hietzing in Wien, zum Part der im Gesundheitswesen Tätigen.

Mit der Digitalisierung in der Medizin sollten sich aber auch die Patienten dringend auseinandersetzen. „Schon heute staunen wir, wenn Menschen Herzfrequenz, Schlafgewohnheiten und jüngst sogar das EKG unbesorgt an Google, Apple & Co. senden, sich aber gleichzeitig um die Sicherheit der ELGA-Daten sorgen. Gesundheitsdaten haben den höchsten kommerziellen Wert auf den internationalen Marktplätzen“, sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres.

An dem Sammeln, Zusammenführen und Analysieren riesiger Patientendatenmengen führt in der modernen Medizin - noch viel mehr in Zukunft - kein Weg vorbei. „Der Trend zu umfassender Mobilität ist evident. (...) Nicht der Patient wird zu den Einrichtungen kommen müssen, sondern die gesundheitlichen Dienstleistungen werden zum Patienten kommen“, meinte der Sprecher der Österreichischen Patientenanwälte, Gerald Bachinger. Für frühere und genauere Diagnosen und speziell für die langfristige Kontrolle chronisch Kranker wird in Zukunft wohl „Big Data“ entscheidend werden.

Die Plattform hat für eine sichere Abwicklung solcher Projekte kurze Empfehlungen für die Gesundheitsberufe und die Patienten zusammengestellt. „Datensicherheit ist Patientensicherheit“, hieß es darin. „Digitale Sicherheit ist Führungsaufgabe“, „IT-Sicherheit setzt ausreichende finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen voraus“, „Redundante Systeme sind für kritische und lebenswichtige Systeme unabdingbar“ und „Datenqualität ist ein kritischer Erfolgsfaktor für Patientensicherheit“, hieß es unter anderem in den „8 Sicherheitstipps für Gesundheitsberufe“.

Empfehlungen gibt es aber auch für die Benutzer der so populären Gesundheits-Apps. Sie sollten überlegen und überprüfen, welcher der eigentliche Anwendungsbereich ist. Klären sollte man auch, wer hinter einer solchen Software-Anwendung steckt und ob Qualitätsmerkmale (Zertifikate, Siegel) gegeben sind. Ähnliches gilt für Datenschutzerklärung, die Möglichkeit, einer Speicherung zu widersprechen - und schließlich muss die Nutzung durch ein Passwort schützbar sein. Die Warnung: „Je mehr Gesundheitsdaten Sie von sich preisgeben, je höher ist das potenzielle Risiko.“

Optimal verwendet, kann die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu einer Erhöhung der Sicherheit beitragen. Das wäre weltweit dringend notwendig. Jährlich ereignen sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 43 Millionen Schadensfälle im Gesundheitswesen - statistisch gesehen sind davon 28,6 Millionen auf menschliche Fehler zurückzuführen und wären somit vermeidbar. Eine der Hauptursachen ist schlechte Kommunikation. Kommunikation - ob zwischen Menschen oder Maschinen - aber ist der Kern aller komplexen Systeme.

(S E R V I C E - www.plattformpatientensicherheit.at)




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