Letztes Update am Mo, 19.11.2018 16:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EZB plant Stresstest zur Liquiditätslage von Banken



Frankfurt (APA/Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) will im kommenden Jahr die Liquiditätslage von Banken genauer unter die Lupe nehmen. „2019 werden wir einen Liquiditäts-Stresstest machen“, sagte EZB-Generaldirektor Korbinian Ibel am Montag auf einer Konferenz in Frankfurt. Dabei werden die Aufseher einen simulierten Schock vorgeben und prüfen, wie sich die flüssigen Mittel in diesem Szenario entwickeln.

So umfassend wie der vor kurzem abgeschlossene europaweite Bankenstresstest soll der neue Gesundheitscheck aber nicht werden. „Wir machen was sehr klares, was sehr lineares, was wir mit einer kleinen Truppe von Leuten entsprechend kontrollieren können“, sagte Ibel. Die Ergebnisse sollen in die jährlichen Bankenprüfung (SREP) einfließen, aber nicht direkt in die Kapitalvorgaben.

Die EZB überwacht direkt 118 große Banken aus der Eurozone, darunter etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank. Bei den kleineren Instituten haben die nationalen Aufseher den Hut auf, die sich aber mit der Euro-Notenbank abstimmen. Mit dem Stresstest versuchen die Kontrolleure, sich einen Überblick zu verschaffen, wie gut die Geldhäuser schwierige Situationen meistern können. Kritik übte Ibel an der Aufweichung von Standards bei der Kreditvergabe. Immer mehr Geldhäuser reichten Darlehen ohne größere Auflagen („covenant light“) oder sogar komplett ohne Auflagen aus, sagte der EZB-Bankenexperte. Die Aufsicht wolle einen genauen Blick dafür bekommen, welche Institute am aggressivsten vorgehen. Er bezweifelte, dass die Margen und die Risikovorsorge vieler Institute hoch genug seien, um mögliche künftige Verluste abdecken zu können.

Bei den Kapitalvorgaben will die EZB kleineren Banken nicht entgegen kommen, bei den Berichtspflichten allerdings schon. „Nicht bei der Frequenz, aber bei der Tiefe“, sagte Ibel. In einem Jahr könne schon viel passieren, daher sollten Informationen lieber alle drei Monate abgefragt werden. Wenn etwas auffalle, könne man es sich dann genauer anschauen.

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