Letztes Update am Di, 20.11.2018 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kiss auf Abschiedstour: Abtreten, „als wäre Weltuntergang gekommen“



Wien (APA) - 45 Jahre nach der Bandgründung haben Kiss ihre letzte Tournee angekündigt. Ein leiser Abtritt war keine Option: „Kiss sollten nicht dahinschwinden, das würde nicht zu dieser Band passen“, sagte Gitarrist und Sänger Paul Stanley im APA-Interview. „Diese Band wird sich mit einer Show verabschieden, als wäre der Weltuntergang gekommen.“ Am 29. Mai 2019 kann man das in der Wiener Stadthalle erleben.

„The Final Tour Ever - End Of The Road“ lautet das Motto. Musikalisch will man mit den Fans alle Perioden der Band abfeiern: „Wir werden die Setlist erweitern - von 16 Songs auf 20 oder mehr“, kündigte Stanley an. Und was die Gimmicks betrifft, dürfen Plattformen, fliegende Gitarren, Feuer- und Blutspucken nicht fehlen. Sonst wären die Fans wohl sehr traurig. „Ich wäre es ja auch! Und ich kann jedenfalls eines verraten: Niemand wird sehr traurig sein!“, betonte Stanley.

Für die Abschiedstour wurden neue Kostüme kreiert, die Stanley als „typisch Kiss“ bezeichnete. „Wir wollen ja nicht plötzlich mit roten Hütchen oder grünen Lederanzügen auftreten. Die Kostüme kombinieren Elemente früherer Outfits. Wir zeigen uns so, wie es mir am liebsten ist: in Schwarz und nüchtern“, sagte der Musiker in Anspielung auf Eskapaden früherer Bandmitglieder.

Komplett neu soll die Kulisse sein. „Über die vergangenen zehn Jahre war jede unserer Bühnen eine Erweiterung der Bühne von der vorangegangenen Tour. Für die letzte Konzertreise haben wir alles entsorgt und eine komplett neue Bühne bauen lassen - und die ist phänomenal“, schwärmte der 1952 in New York geborene Stanley.

Eine Welt ohne Kiss können sich die meisten Fans kaum vorstellen. Aber wie geht es Stanley bei diesem Gedanken? „Es gibt keinen Platz für Bitterkeit“, antwortete „Starchild“, wie der Rocker in Anspielung auf sein Make-up auch genannt wird, „weil wir sehr dankbar sind. Das wollen wir den Fans vermitteln. Wir haben diese Entscheidung ganz bewusst getroffen. Das ist besser, als erst am Ende einer Tournee zu realisieren, dass es die letzte war.“

Ein Kiss-Konzert erfordere von den Akteuren große Anstrengung. „So viel Spaß und Freude uns jeder Auftritt bereitet, so viel verdammt harte Arbeit steckt dahinter“, sagte Stanley. „Es ist besser aufzuhören, bevor man uns anmerkt, dass wir das tun sollten. Man sollte dann aufhören, wenn die Band noch immer großartig ist und eine großartige Show liefert - also jetzt.“

Am 29. Mai hat man in Österreich die letzte Chance, Kiss in voller Pracht zu erleben. „End Of The Road“ sei kein Marketing-Gag, versicherte Stanley. Im Jahr 2000 waren Kiss schon einmal auf Farewell-Tour gegangen und hatten dann aber mit neuen Leuten an der Gitarre und an den Drums weitergemacht. Der Unterschied zu damals: „Erstens sind wir 19 Jahre älter und zweitens war das ein falscher Schritt aus einer Verzweiflung heraus. Zwei Gründungsmitglieder, die wir in die Band zurückgeholt hatten, wurden unerträglich. Es war der pure Horror. Statt uns gleich von ihnen zu trennen und mit neuen Leuten weiterzumachen, sind wir auf Abschiedstour gegangen - das war ein Fehler, wie uns bald klar wurde.“

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - Bandseite: www.kissonline.com - Infos zum Wien-Termin: go.apa.at/JwG2dX3R)




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