Letztes Update am Di, 20.11.2018 08:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Das neue „Boot“: Sky setzt Klassiker ab Freitag als Serie fort



Wien (APA) - „Das Boot“ ging 1981 in die Kinogeschichte ein. Unter der Regie von Andreas Prochaska wird der Stoff nun ab Freitag (23. November) von Sky als Serie fortgeführt. Im Gegensatz zum Original gibt es in der Fortsetzung auch „komplexe Frauenfiguren“, wie der Wiener Regisseur der APA bei der Präsentation des Formats in München im Sommer verriet.

Als die Produzenten vom Serien-Boot an Prochaska herantraten, fiel dem Regisseur von „Das finstere Tal“ die Entscheidung nicht schwer. „Das war ein No-Brainer“, so der 53-Jährige. Als er im Jahr 2016 im November einen Anruf bekam, ob er Interesse habe, „war das wie ein Bubentraum, der wahr wird“, erzählte Prochaska. Aber natürlich sind ihm die hohen Erwartungen bewusst. „Du weißt, dass du an einem Denkmal kratzt, und es werden die Messer sicher schon gewetzt. Gleichzeitig weißt du, dass die ganze Welt zusieht“, meinte der Wiener.

In der Verfilmung des epischen Romans „Das Boot“ (1973) von Lothar-Günther Buchheim erzählte Regisseur Wolfgang Petersen 1981 die dramatische Geschichte einer deutschen U-Boot-Besatzung, die nach einer gefährlichen Feindfahrt in den Hafen von La Rochelle zurückkehrte, nur um von einem Luftangriff zerbombt zu werden. Die Handlung der Serie knüpft neun Monate später an. Im Herbst 1942 macht sich die U-612 und ihre blutjunge Mannschaft im besetzten Frankreich bereit für eine gefährliche Spezialmission.

Rick Okon, bekannt als Ermittler im „Tatort“-Dortmund-Team, spielt Klaus Hoffmann, den gerade zum Kapitänleutnant ernannten Befehlshaber. Mit dem deutschen Schauspieler Jürgen Prochnow (77), weltbekannt für seine Rolle als Kaleun im Original, verglich er sich nicht. „Das hatte für mich gar keine Relevanz für meine Figur, weil es eben auch kein Remake ist. Wir erzählen eine komplett neue Geschichte.“

Zutiefst atmosphärische Bilder zeigen, wie sich dabei zwei Handlungsstränge entspinnen: Es wird weiterhin aus der Perspektive der deutschen Besatzung erzählt, aber in der neuen Serie blickt man auch auf die französische Widerstandsbewegung an Land und die Manöver der Alliierten. Die beiden Welten werden durch die Geschwister Frank und Simone Strasser verknüpft: Leonard Scheicher spielt einen Funker an Bord und Vicky Krieps („Der Seidene Faden“) eine Übersetzerin an Land.

Das Konzept von zwei Handlungssträngen hat Prochaska „total überzeugt“, sagte er. Mit dem zweiten Erzählstrang an Land fügten die „Head-Autoren“ Tony Saint („Margaret Thatcher: The Long Walk to Finchley“) und Johannes W. Betz („Der Tunnel“) dem Boot ein Element hinzu, das man im Original vermisste: Frauen.

Gedreht wurde in 105 Tagen mit nur zwei Wochen Pause in La Rochelle, Prag, Malta und München. Im Februar waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Produktionskosten betrugen 26,5 Millionen Euro. Es war ein „sportlicher Produktionsplan“, formulierte es Prochaska vorsichtig in Anwesenheit aller Produzenten. Aber er ließ durchblicken, dass es in jeder Hinsicht sein bisher anspruchsvollstes Projekt ist. In einem guten halben Jahr musste er acht Drehbücher auf Stand bringen, recherchieren und diesen Film vorbereiten. Es war eine „leichte Überforderung“, sagte er mit einem Lächeln. Die größte Herausforderung für ihn war, „im Rahmen dessen, was die Drehbücher vorgeben, den Grad an Authentizität zu erreichen, den ‚Das Boot‘ vermittelt hat“.

Für die Luxemburgerin Krieps (35) war es auch emotional strapaziös. „An einem Tag stirbt jemand, jemand anders geht in den Krieg, ich werde fast umgebracht. Und das spiel ich alles an einem Tag, was mein Geist gar nicht aushalten kann, all diese Inhalte an einem Tag zu denken oder zu fühlen.“

„Es war physisch und auch psychisch für mich schon anstrengend“, betonte auch Okon. „Das Setting, das Boot, extrem klein, und da stehen dann im besten Falle zwei Kameramänner und zwei Tonleute und der Regisseur und acht Schauspieler auf zwölf Quadratmetern.“ Die Strapazen haben sich allerdings ausgezahlt: Das Boot sieht stimmungsvoll aus, teuer und technisch ambitioniert.

(S E R V I C E - www.sky.at/serien/das-boot-154535)

(A V I S O - Die APA hat am 4. Juli unter APA267 „Neuer „Boot“-Regisseur Prochaska: „Beruflich bin ich ein Hasardeur“ - „ ein Interview mit Andreas Prochaska versendet.)




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