Letztes Update am Di, 20.11.2018 10:53

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„Der Strand bei Nacht“: Kinderbuch von Elena Ferrante veröffentlicht



Berlin (APA/dpa) - Wenn Schriftsteller berühmt werden, graben Verlage gern alte Werke von ihnen aus. So ist es auch bei der italienischen Erfolgsautorin Elena Ferrante, die in den vergangenen Jahren mit ihrer Tetralogie „Meine geniale Freundin“ einen Bestseller landete. Nun ist neben ihrem Debütroman „Lästige Liebe“ auch das Kinderbuch „Der Strand bei Nacht“, das von einer Puppe handelt, auf Deutsch erschienen.

Die ursprünglich 2007 veröffentlichte Geschichte ist ein schmaler Band: Auf gerade mal knapp 50 Seiten erzählt Ferrante, wie die Puppe Celina eine bedrohliche Nacht am Strand verbringen muss, nachdem ihre Besitzerin, die fünf Jahre alte Mati, sie dort vergessen hat. Ferrante-Fans dürften sich an etwas erinnert fühlen: Mit einer Puppe hatte gleich eine der ersten Szenen in „Meine genialen Freundin“ zu tun. Die Freundinnen werfen ihre Puppen in den Keller eines gefürchteten Camorra-Oberhaupts. Die Mafia spielt in Ferrantes erstem Kinderbuch keine Rolle, aber eben eine verlassene Puppe: Celina bleibt am Strand zurück, weil das Mädchen Mati eine kleine Katze geschenkt bekommt und darüber ihr Lieblingsspielzeug vergisst.

Celina ist zwar eine Puppe, fühlt und denkt aber wie ein Mensch. Zum Beispiel Eifersucht auf die neue Spielgefährtin ihrer Besitzerin, Katze Minù. Oder Angst vor dem „Grausamen Strandwärter“, der mit einem Rechen die Sachen zusammenliest, die im Sand vergessen wurden. Außerdem ist Celina traurig - sie will zurück nach Hause zu Mati.

Ferrante beschreibt die Nacht Celinas am Strand einfühlsam. Ihr Sprache sorgt für lebendige Bilder im Kopf. „Die Spitzen seines Schnurrbarts bewegen sich auf seiner Oberlippe wie Eidechsenschwänze“ heißt es etwa über den Strandwärter. Oder über das Kätzchen fast komisch: „Ich wünsche mir, dass es Durchfall kriegt, dass es brechen muss und dann so sehr stinkt, dass Mati sich vor ihm ekelt und es wegjagt.“

Die Beziehung zwischen Mati und Celina, die einiges von Mati und ihrer Familie gelernt hat, beschreibt sie witzig - und treffend. „Mati sagt immer: ‚Wenn du dich erkältest, bekommst du Fieber‘“ Sie sagt es genau so, wie ihre Mutter es zu ihr sagt. Mati und ich sind nämlich auch Mutter und Kind.“

Die Nacht am Strand wird für Celina nach und nach bedrohlicher - vor allem, dass der fiese Strandwärter ihr all die Wörter stehlen will, die sie gelernt hat, fürchtet sie. Und dann kommt noch ein Feuer. Ferrante hat mit „Der Strand bei Nacht“ eine kluge und verspielte Geschichte geschaffen über Eifersucht und Freundschaft, aber auch über Selbstbewusstsein. Selbst wenn es für Kinder gedacht ist, können wohl auch Erwachsene dem Abenteuer der Puppe etwas abgewinnen.

(S E R V I C E - Elena Ferrante: „Der Strand bei Nacht“, Insel Verlag, 47 S., 14,40 Euro)




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