Letztes Update am Di, 20.11.2018 11:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erster Leobener „Stolperstein“ erinnert an Widerstandskämpfer



Leoben (APA) - Mit der Verlegung von „Stolpersteinen“ wird nun auch im obersteirischen Leoben an Menschen erinnert, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind. Am 27. November wird in der zweitgrößten steirischen Stadt ein erster dieser speziellen Pflasterstein verlegt. Er soll an den Gewerkschafter und Widerstandskämpfer Simon Trevisani (1884 - 1944) erinnern. Die Patenschaft übernahm die Stadt Leoben.

Der Verein für Gedenkkultur hält mit der Verlegung von „Stolpersteinen“ nach dem Konzept des Kölner Künstlers Gunter Demnig die Erinnerung an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes aufrecht. Mit kleinen, in den Gehweg verlegten Gedenktafeln sollen jene Menschen wieder sichtbar gemacht werden, die ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind oder von „Arisierungs“-Enteignungen betroffen waren. Die Pflastersteine werden meist vor den letzten Wohn- oder Wirkstätten der Opfer in den Boden eingelassen und sollen quasi zum Nachdenken über den Holocaust vor der eigenen Tür anregen. Das Bücken, um die Texte auf den „Stolpersteinen“ zu lesen, soll eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein.

In Leoben wird der erste Erinnerungsstein am Ignaz Buchmüller-Platz vor der Arbeiterkammer verlegt, teilte die Stadt Leoben in ihrer Einladung mit. Gesetzt wird der „Stolperstein“ für Trevisani. Er kam 1901 aus dem Kärntner Bezirk Wolfsberg nach Donawitz in Leoben und arbeitete als Bäcker. Aufgrund seiner Widerstandstätigkeiten wurde der spätere Gewerkschaftssekretär am 11. Juli 1944 von der Gestapo verhaftet und nach Graz überstellt, wo er am 12. Juli 1944 unter nicht genau geklärten Umständen starb. Damalige Quellen sprechen von „Selbstmord in der Zelle“. Ob Trevisani sofort ermordet, zu Tode gefoltert oder in den Suizid getrieben wurde, lasse sich laut dem Verein Gedenkkultur in Graz nicht mehr eruieren.

Die Stadt Leoben hat die Patenschaft für diesen ersten „Stolperstein“ übernommen. Bürgermeister Kurt Wallner (SPÖ) wird die Gedenkworte sprechen. Weitere Sprecher sind Werner Anzenberger, Vorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen Steiermark, und Daniela Grabe, die Obfrau des Vereins für Gedenkkultur. Laut einer Sprecherin der Stadt Leoben laufen auch bereits die Vorbereitungen für weitere „Stolperstein“-Verlegungen in der Stadt.

Etwa 70.000 „Stolpersteine“ wurden seit 1992 in ganz Europa verlegt. Der Verein für Gedenkkultur in Graz hat 2013 das Projekt erstmals für Graz umgesetzt. Mittlerweile sind in der steirischen Landeshauptstadt insgesamt 170 „Stolpersteine“ an rund 60 Orten verlegt worden. Über den Verein Gedenkkultur werden auch die Biografien der Opfer vermittelt und Gedenkspaziergänge zu den „Stolpersteinen“ unternommen.




Kommentieren