Letztes Update am Di, 20.11.2018 12:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Die vielen Gesichter von 2018“ - Anthologie mit 17 Sichtweisen



Luxemburg (APA) - „Die vielen Gesichter von 1918“ porträtiert eine am heutigen Dienstag erscheinende Anthologie von Schriftstellern aus 17 Ländern. Der Sammelband zeigt die unterschiedlichen nationalen Sichtweisen auf Europa zum Ende des Ersten Weltkriegs, es wurde von Österreich anlässlich des laufenden Gedenkjahrs angeregt.

Idee und die Initiative für das Projekt gehen zurück auf Österreichs Botschafter in Luxemburg, Gregor Schusterschitz, der derzeit - quasi im Nebenjob - auch noch österreichischer Delegierter in den laufenden Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU ist. Der Sammelband wird am heutigen Dienstagabend in Luxemburg im Beisein von Großherzog Henri vorgestellt.

Für Österreich verfasste Theodora Bauer („Chikago“) den Beitrag. Die übrigen Autoren kommen aus Belgien, der Schweiz, Tschechien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, der Türkei, Großbritannien, den USA und Luxemburg. Sie haben ihre Beiträge in ihrer Muttersprache verfasst, die Sammlung enthält eine Übersetzung ins Englische.

„Ich verstehe das Bedürfnis, für extreme Parteien zu stimmen, wenn einen die Parteien der Mitte verlassen haben; das destruktive Moment, eine Apokalypse herbeiführen zu wollen, wo doch die Welt, wie sie ist, so wenig für einen selbst bereitzuhalten hat. Dieses Moment zu verstehen ist der erste Schritt, ihm durch Handlungen zu begegnen. Es gibt allerdings nach wie vor Menschen - und dies ist die versöhnliche Note -, die mit der Welt, wie sie ist, einiges zu verlieren haben: Gebildete, Künstler, Medienmenschen, die sogenannte informierte Öffentlichkeit, die vielbesungene Mitte“, schreibt Bauer.

Nach Angaben der österreichischen Botschaft in Luxemburg erscheint das Buch in einer einmaligen Auflage von 1.000 Exemplaren. Die Anthologie steht nicht zum Verkauf, ist als Geschenkausgabe gedacht und soll vorwiegend an Bibliotheken, Gemeinden und Schulen verteilt werden. Eine Online-Version kann ab dem morgigen Mittwoch auf der Homepage der Botschaft in Luxemburg abgerufen werden. Exemplare können auf Anfrage nach Verfügbarkeit über die Botschaften bezogen werden.

„Die einen sehen es als das Schicksalsjahr mit Untergang und Zerstörung, die anderen als Jahr der Befreiung und des Sieges“, heißt es in dem Pressetext zu den unterschiedlichen Erzählungen über 2018. „Auch innerhalb der einzelnen Länder gibt es oft keine einheitliche Sichtweise, und doch ist dieses Jahr 1918 ein entscheidender Weichensteller: ein kurzes Intermezzo zwischen zwei Weltkriegen oder endlich Frieden?“

Inspiriert zu diesem Projekt habe ihn die Art und Weise, wie Belgien ganz anders als Österreich mit dem Jahr des Kriegsausbruches 1914 ungegangen sei, als er 2014 an die österreichische EU-Vertretung nach Brüssel kam, schilderte Schusterschitz gegenüber der APA. „Europa lebt davon, dass es unterschiedliche Narrative nebeneinander existieren lässt.“

Es kostete Schusterschitz einige Mühe, die Unterstützung der 17 Länder für das gemeinsame Projekt zu bekommen. Serbien musste überzeugt werden, Russland sprang ab. Doch wie fand der Diplomat noch die Zeit neben den Brexit-Verhandlungen? „Als der Brexit begonnen hat, waren die Weichen für das Buch schon gestellt“ sagte er. Andernfalls hätte er wahrscheinlich nicht die Zeit gefunden, sich damit noch intensiver zu beschäftigen.

1918 steht für den Siegeszug der Demokratie, das Frauenwahlrecht und soziale Rechte. Der Botschafter sieht in der Betrachtung auf 1918 aber auch wichtige Parallelen zur heuten Situation. Die Illusion, Kontrolle zurückzugewinnen und die Probleme besser alleine als gemeinsam mit anderen Nationen anzugehen, indem Grenzen errichtet würden, erinnere ihn an die heutige Zeit, so Schusterschitz. „Das hat damals nicht funktioniert, und es funktioniert heute nicht.“

(S E R V I C E: „The many faces of 1918“ Druck: Imprimerie Centrale, Luxembourg. 146 Seiten. 2018 herausgegeben von den Botschaften der teilnehmenden 17 Länder und dem Luxemburgischen Kulturministerium.)

(Österreichische Botschaft in Luxemburg: https://www.bmeia.gv.at/oeb-luxemburg/)




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