Letztes Update am Di, 20.11.2018 13:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreichs Spitäler mit zuwenigen Überwachungsbetten



Wien (APA) - Österreichs Krankenhäuser sind bei den High-Tech-Intensivstationen gut aufgestellt. Doch es fehlt an genügend Kapazitäten auf Überwachungsstationen als „Zwischending“ zu den Normalstationen. Das erklärten am Dienstag Vertreter der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) bei einer Pressekonferenz in Wien.

„Bei 20 bis 40 Prozent der älteren Patienten treten nach Operationen zeitweise Veränderungen der Gehirnfunktion auf“, sagte Walter Hasibeder, Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus St. Vinzenz in Zams in Tirol. Aus einer solchen Situation heraus entstehende Regulationsstörungen, was Körpertemperatur, Blutdruck und Blutzuckerspiegel betrifft, müssten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Dafür seien Kapazitäten auf Überwachungsstationen notwendig.

Während laut Helmut Trimmel, Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie, Notfall- und Allgemeine Intensivmedizin am Krankenhaus Wiener Neustadt, gemäß internationalen Empfehlungen auf ein High-Tech-Intensivbett zwei Betten einer Intermediate Care-Einrichtung kommen sollten, stelle sich die Situation in Österreich oft ganz anders dar. „Wir haben 30 Intensivbetten und acht Intermediate Care-Betten.“ Hasibeder führte an seinem Krankenhaus in Zams folgende Relation an: „Wir haben fünf Intensivbetten und zwei Überwachungsbetten, die in den Aufwachraum integriert sind.“

Ein Beispiel für Patienten, welche eine Zeit lang auf diese Weise betreut werden sollten, ohne den Aufenthalt auf einer Intensivstation zu benötigen, sind auch Verletzte nach schweren Skiunfällen. „Thorax-(Brustkorb-; Anm.)Verletzungen werden immer häufiger“, sagte Hasibeder. Personen mit Serienrippenbrüchen sollten relativ engmaschig überwacht werden, um bei auftretenden Problemen schnell handeln zu können. 50 bis 60 Prozent der Patienten nach Operationen benötigten noch eine gewisse Zeit eine solche Versorgung auch außerhalb des Aufwachraumes, bis sie auf die Normalstation gebracht werden könnten.

Laut einer im Jahr 2012 publizierten Studie mit fast 500 Krankenhäusern in Europa als Datengrundlage und 46.500 Patienten betrug die Mortalität innerhalb von 60 Tagen etwa vier Prozent. Aber nur zwischen sechs und sieben Prozent der Patienten hatten nach dem Eingriff eine intensivmedizinische Versorgung erhalten. Bei fehlenden Kapazitäten war die Sterblichkeit deutlich höher.

Am kommenden Wochenende findet in Villach die ÖGARI-Jahrestagung statt. „Das Motto lautet ‚Zurück zum Ursprung‘. Wir müssen einer Aufspaltung unseres Faches entgegenwirken“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft, Rudolf Likar. Oft rücke derzeit das Sparen in den Fokus der Gesundheitspolitik. Benötigt werde aber mehr „Zuwendungsmedizin“. „Wenn irgendwo eingespart wird, muss dieses Geld wieder den Patienten zu gute kommen“, sagte Likar. High-Tech könne den notwendigen persönlichen Kontakt der Ärzte mit ihren Patienten nicht ersetzen. Begrüßt wird von der ÖGARI, dass in der neuen Ärztegesetznovelle festgehalten wird, dass die Ärzte sterbenden Menschen „unter Wahrung ihrer Würde“ beizustehen hätten. Das schaffe in der Palliativmedizin mehr Rechtssicherheit.




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