Letztes Update am Di, 20.11.2018 13:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Haftstrafen für mutmaßliche Linzer Drogenhändler



Linz (APA) - Ein mutmaßlicher Drogenboss hat am Dienstag am Landesgericht Linz drei Jahre und neun Monate Haft ausgefasst, zwei Komplizen je 16 Monate. Die Gruppe soll Marihuana im großen Stil aus Tschechien nach Österreich geschmuggelt und in Linz verkauft haben. Die genaue Menge blieb unklar: Polizei und Staatsanwaltschaft waren von einer halben Tonne ausgegangen, für das Gericht war das Ausmaß aber „nicht feststellbar“.

Der Hauptangeklagte - ein 31-jähriger Asylwerber aus Afghanistan, der seit 2013 in Österreich ist - soll laut Anklage Chef eines Drogenrings gewesen sein, der in Linz binnen zweieinhalb Jahren 480 Kilo Marihuana mit einem Straßenverkaufswert von rund 4,8 Millionen Euro verkauft habe. Das Suchtgift soll er teils selbst, teils mit Hilfe von Kurieren von Tschechien nach Oberösterreich geschmuggelt haben. Laut Polizei hätten noch 26 Subverteiler zum inneren Zirkel gehört, zumindest 90 Abnehmer seien demnach namentlich bekannt.

Der 31-Jährige will aber nur für den Verkauf von sieben bis acht Kilo Marihuana verantwortlich sein. „Man hat nicht ansatzweise 500 Kilo gefunden“, so sein Verteidiger Andreas Mauhart, der sich auch fragt: „Wo sind die fünf Millionen hingekommen?“. Sein Mandant habe „nicht einmal ein Durchschnittsauto“ und seine Familie in Afghanistan sei „bitterarm“. Der Asylwerber selbst leugnete vor Gericht, dass er Geld in sein Heimatland geschickt habe. Die beiden Mitangeklagten, die den mutmaßlichen Drogenboss bei seinen Geschäfte unterstützt haben sollen, zeigten sich lediglich zum Eigenkonsum geständig. Mit dem Schmuggel und dem Verkauf von Drogen wollen sie nichts zu tun gehabt haben.

Ein Zeuge, der den Hauptangeklagten bei der Polizei als Drogenboss dargestellt hatte, zog vor Gericht seine Anschuldigungen zurück. Dabei blieb er auch, als die Staatsanwältin - allerdings erfolglos - seine Verhaftung beantragte. Während für Mauhart klar ist, dass dieser Zeuge seine erste, belastende Aussage nur gemacht habe, um sich in seinem eigenen Verfahren freizukaufen, glaubte das Gericht den ursprünglichen Anschuldigungen sehr wohl. Es sah zudem im gesamten Prozess Versuche, Zeugen zu beeinflussen.

Das Schöffengericht unter Gerhard Nathschläger sprach alle drei weitgehend im Sinne der Anklage schuldig. Das Gericht sah einen „gut strukturierten Suchtgifthandel“, legte sich allerdings nicht fest, wie groß die umgesetzte Drogenmenge wirklich war. Diese sei „nicht feststellbar“. Im Fall des Hauptangeklagten ging es von einer „25-fachen Überschreitung der Grenzmenge aus“, was laut Vorsitzendem bei durchschnittlichem Reinheitsgrad zumindest neun Kilo seien.

Der bisher unbescholtene Hauptangeklagte fasste bei einem Strafrahmen von einem bis 15 Jahren eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten aus. Die beiden anderen Männer erhielten 16 Monate. Weder die Verteidiger noch die Staatsanwaltschaft gaben Erklärungen ab. Die Urteile sind somit nicht rechtskräftig. Im Falle eines beiderseitigen Rechtsmittelverzichts würden der Zweit- und der Drittangeklagte bedingt entlassen, weil sie einen großen Teil der Strafe bereits mit ihrer U-Haft abgesessen haben.




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