Letztes Update am Di, 20.11.2018 14:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kreml kritisiert angebliche US-Einmischung in Interpol-Wahl



Moskau/Dubai (APA/dpa) - Kurz vor der Wahl eines neuen Leiters der internationalen Polizeiorganisation Interpol hat Russland eine angebliche Wahlbeeinflussung der USA beklagt. „Die USA versuchen hier, sich in einen Wahlprozess einzumischen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. „Wie soll man das sonst nennen?“

Zuvor hatten mehrere US-Senatoren vor einer Wahl des russischen Kandidaten Alexander Prokoptschuk gewarnt. Sollte der 57-jährige Polizeigeneral an die Spitze des Exekutivkomitees treten, werde er die Organisation zugunsten der Kreml-Politik missbrauchen, hieß es in einem Brief an US-Präsident Donald Trump und die Interpol-Mitglieder. Prokoptschuk ist seit 2016 Vize-Präsident der Interpol.

Am Mittwoch wählen die Vertreter der Interpol-Mitgliedsländer bei ihrer Jahreshauptversammlung in Dubai ihren neuen Leiter. Der bisherige Präsident, der Chinese Meng Hongwei, wurde im September in seiner Heimat festgenommen. Gegen ihn wird wegen des Verdachts ermittelt, „Bestechungsgelder angenommen“ zu haben und in illegale Aktivitäten verwickelt gewesen zu sein. Für den vakanten Chefposten steht unter anderem auch ein Kandidat aus Südkorea zur Wahl.

Die russische Personalie hat auch in anderen Ländern Kritik ausgelöst. Die Ukraine drohte damit, die „Stilllegung ihrer Mitgliedschaft“ in Betracht ziehen. Innenminister Arsen Awakow bezeichnete eine mögliche Leitung der Organisation durch einen Russen als absurd. Sie widerspräche „Geist und Zielen der Organisation“.

Auch Litauen nennt dessen mögliche Wahl „einen enormen Schaden für den Ruf der Organisation und das Vertrauen in deren rechtliche Neutralität“, hieß es in einem verabschiedeten Entschluss des Parlaments in Vilnius. Sollte Prokoptschuk gewählt werden, müsste Litauen einen Austritt aus der 194 Staaten - darunter auch Österreich - zählenden Polizeibehörde mit Sitz in Lyon in Betracht ziehen.




Kommentieren