Letztes Update am Di, 20.11.2018 14:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


OeNB: Banken profitierten von guter Konjunktur, mehr Risikosignale



Wien (APA) - Österreichs Banken haben laut Nationalbank (OeNB) im ersten Halbjahr von der guten Wirtschaftslage profitiert. Die Kreditnachfrage war stark, Risikovorsorgen wurden aufgelöst. Die Risikosignale an den internationalen Märkten hätten sich aber verstärkt, so Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny heute bei der Präsentation des Finanzstabilitätsberichts. Konkretisiert werden Empfehlungen für Immo-Kredite.

Die ökonomischen Bedingungen für Europas Finanzmärkte sieht die OeNB angesichts der - allerdings etwas schwächeren - Fortsetzung des Aufschwungs günstig. Zu den vermehrten politischen Unsicherheiten zählt vor allem die anhaltende Verunsicherung über Italiens fiskalpolitischen Kurs.

Nowotny verwies zu Italien aber darauf, dass die steigenden Renditen für Anleihen unmittelbar noch nicht so rasch Effekte in den anderen Euroländern hätten. Mögliche Schwierigkeiten sieht er beim erheblichen Finanzierungsbedarf Italiens. Kurzfristig stelle Italien kein ökonomisches Problem dar. Längerfristig gebe es aber das Thema des genügenden Vertrauens an den Kapitalmärkten.

Das Gesamtvolumen italienischer Staatsanleihen liegt laut Nationalbank bei rund 1,9 Billionen Euro. Rund zwei Drittel würden im Inland gehalten und verschieben sich zunehmend zur Zentralbank und sonstigen Finanzinstituten. In Österreich werden rund 7 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen gehalten, die aber von den Banken zunehmend abgebaut würden.

Das Wachstum der Kredite an die österreichischen Haushalte war laut Notenbank weiterhin zu einem großen Teil von Immobilienfinanzierungen getragen. Nachhaltige Vergabestandards bei Immo-Krediten seien daher für die Sicherung der Finanzmarktstabilität in Österreich wesentlich. Empfohlen wird ein Mindestmaß an Eigenmitteln, wobei der Richtwert 20 Prozent betragen soll. Laufzeiten über 35 Jahre sollten die Ausnahme bleiben. Eine adäquate Begrenzung des Schuldendienstes wird bei 30 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens eines Haushaltes gesehen.

Das internationale Exposure der österreichischen Banken ist laut OeNB massiv auf Zentral- und Südosteuropa (CESEE) konzentriert. Die größten Einzelland-Exposures entfallen auf Tschechien und Deutschland. Die notleidenden Kredite der Banken sind laut Nationalbank rückläufig. In CESEE sind die Quoten unterschiedlich.

Die Profitabilität der österreichischen Banken habe sich heuer weiter verbessert und liege über dem EU-Durchschnitt. Die operativen Ergebnisse gingen aber leicht zurück, so OeNB-Vize-Gouverneur Andreas Ittner. Der Aufwärtstrend bei der Kapitalisierung sei im ersten Halbjahr aber abgeebbt. Die OeNB-Stresstests bestätigten für das österreichische Bankensystem, was der EU-weite Stresstest für die heimischen Großbanken gezeigt habe. Das Ergebnis sei solide, die Banken seien aber weiterhin gefordert, ihre Kostenstruktur, Profitabilität und Eigenmittelausstattung nachhaltig zu stärken. Durch eine Stärkung der Kapitalisierung um einen Prozentpunkt könne die Problemwahrscheinlichkeit einer österreichischen Durchschnittsbank um 11 Prozent gesenkt werden.

Die Notenbank empfiehlt den Banken die Sicherung einer nachhaltigen Profitabilität durch weitere Effizienzsteigerungen. Dies ermögliche eine weitere Erhöhung der Kapitalisierung insbesondere der Großbanken und Investitionen in Informationstechnologie - Stichwort Wettbewerb mit FinTechs. Notleidende Kredite vor allem in CESEE sollten weiter reduziert werden. Empfohlen wird auch noch die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Mindeststandards zu Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten.

Online-Banking wird von 58 Prozent der Österreicher ab dem 15. Lebensjahr genutzt, geht aus einer Umfrage zu FinTech in Österreich hervor. 32 Prozent besuchen einen Bankschalter höchstens einmal pro Jahr, 43 Prozent zumindest einmal pro Monat. Online-Banking-Nutzer erledigten alle üblichen Bankgeschäfte online.

Eine Studie zur Finanzierung in Österreich, die ebenfalls im aktuellen 35. Financial Stability Report enthalten ist, zeigt, dass es für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) günstige Kredite, im internationalen Vergleich aber wenig Venture-Capital-Finanzierungen gibt.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA331 2018-11-20/14:29




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