Letztes Update am Di, 20.11.2018 15:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbrucker Medientag widmete sich der Diversität und ihrer Bedrohung



Innsbruck (APA) - Der Medientag der Uni Innsbruck hat sich am Dienstag dem Thema der Diversität gewidmet und ist dabei der Frage nachgegangen, ob denn „das Ende der Vielfalt“ bevorstehe. APA-CEO Clemens Pig ortete in der Fragestellung ein „hochaktuelles Medien- und Kommunikationsthema“. Denn im Grunde gehe es darum, wie es um die Qualität des demokratischen, politischen Kommunikationssystems insgesamt bestellt sei.

Theo Hug, Sprecher des Medienforums Innsbruck, präzisierte in seinem Eingangsstatement die Fragestellung des Medientages. Medienvielfalt und Diversität der Medien würden zwar oft synonym verwendet. Dabei sei aber ein wesentlicher Unterschied auszumachen, schließlich stehe Quantität per se noch nicht für Qualität. Medienvielfalt stelle also keinen Wert an sich dar, so Hug. Vielmehr sei ein eminenter Unterschied von „bloßer Vielheit“ und „Vielgestaltigkeit“ auszumachen.

„Mir ist nicht bange“, beantwortete Rektor Tilmann Märk in seiner Rede die gestellte Frage. Als Beleg erinnerte der Rektor der Innsbrucker Universität an den Abgesang ans Kino mit Beginn des Fernsehens oder an den Abgesang des Buches bzw. der Zeitung mit Beginn der modernen Medien. Beides habe sich nicht bewahrheitet, so Märk. „Formen und Möglichkeiten der medialen Kommunikation sind vielfältiger geworden“, meinte der Rektor, und natürlich könne jedes neue Medium auch neue Gefahren mit sich bringen. Aber die Medienvielfalt spiegle die Vielfalt der Gesellschaft wider.

„Quantität bedeutet nicht gleichermaßen Vielfalt von Medien bzw. Journalismus“, betonte APA-Geschäftsführer Pig. Die Kernfrage laute: „Was sind journalistische Angebote?“ Schließlich sei nicht jeder Blogbeitrag, nicht jeder Tweet gesellschaftlich relevant. Vielmehr sei es das Geschäft professionellen Journalismus, gesamtgesellschaftlich relevante Themen herzustellen. Und dies geschehe nur durch professionelle journalistische Standards, argumentierte Pig. Journalismus sei ein professionelles Handwerk. „Sogenannte Soziale Medien - wir nenne sie lieber technische Netzwerke, denn sie sind weder sozial noch Medien - erfüllen diesen Auftrag nicht. Sie sind vielmehr zweifelhafte Freunde mit schlechten Manieren.“

Die sich in Sozialen Medien herausbildenden Blasen und Echokammern im Netz sind laut Pig jedoch kein neues Phänomen. Gesellschaftliche Aufsplittung sei auch früher stark ausgeprägt gewesen. Neu sei jedoch, dass die digitale Blase transparent, einsehbar und kommentierbar sei. Zudem sei die notwendige Toleranz verloren gegangen. „Der Umgang will gelernt sein“, so Pig. Professionelle Medienangebote werden sich auch künftig an den eigentlichen Stärken des klassischen Journalismus orientieren müssen, zeigte sich der APA-Geschäftsführer überzeugt. Die Herausforderung bestehe darin, den „homo digitalis“ in die klassischen Medien zu integrieren.

In Österreich gebe es eine hohe Mediendichte und -vielfalt, diagnostizierte der Vorstandschef der Moser Holding, Hermann Petz. Trotzdem sei eine parallele Entwicklung zu beobachten. Die hohen Erwartungen an die sogenannten Sozialen Medien, wonach sie die Diskursfähigkeit beleben würden, seien enttäuscht worden. Petz wies in diesem Zusammenhang auf den Missbrauch von Daten, das Abbilden sehr enger Echoräume hin. Die Gatekeeper-Funktion der Journalisten sei dort nicht vorhanden. Diese sei aber als Basis für Meinungsvielfalt nötig.

Der jährliche Medientag stellt eine Zusammenarbeit der Universität Innsbruck mit der „Tiroler Tageszeitung“ und der APA-Austria Presse Agentur dar. Er findet heuer insgesamt zum 14. Mal statt. Nach den Eröffnungsreden und Impulsvorträgen folgt Dienstagabend noch eine Podiumsdiskussion.




Kommentieren