Letztes Update am Di, 20.11.2018 15:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Missbrauch: Polnische und spanische Bischöfe entschuldigen sich



Warschau/Madrid (APA/KAP) - Die katholischen Bischöfe Polens haben sich bei Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester entschuldigt. In Spanien räumte die Kirche öffentlich Missbrauch an Minderjährigen durch Priester ein. Das berichtete Kathpress am Dienstag.

„Wir entschuldigen uns bei Gott, den Opfern von Missbrauch, ihren Familien und der Kirchengemeinschaft für all das Leid, das Kindern, Jugendlichen und ihre Angehörigen zugefügt wurde“, heißt es in einer im Zuge der dieswöchigen Plenarversammlung der Bischofskonferenz in Tschenstochau veröffentlichten Erklärung. Um Ursachen und Anzahl der Fälle einschätzen zu können, würden nun entsprechende Daten gesammelt, kündigten die Bischöfe an. Sie appellierten an Opfer, Fälle sexuellen Missbrauchs bei der Kirche und auch den staatlichen Behörden zu melden. Bestehende Präventionsinitiativen um Missbrauch in der Kirche zu verhindern sollen forciert werden.

„Traurig stellen wir fest, dass es auch in Polen Fälle gibt, in denen Kinder und Jugendliche von einigen Geistlichen und Kirchenvertretern sexuell missbraucht worden sind. Wir wiederholen mit Papst Franziskus: Der Schmerz der Opfer und ihrer Familien ist auch unser Schmerz“, hielten die Bischöfe fest. Es gebe in der Bischofskonferenz den klaren Willen gegen derartige „Sünden und Verbrechen“ mit konkreten Handlungsschritten anzukämpfen. Jedem Hinweis auf mögliche Straftaten solle nachgegangen werde und im Falle der Bestätigung von Verdachtsmomenten „der Heilige Stuhl und die Staatsanwaltschaft informiert“ werden.

„Wir möchten, dass die kirchlichen Gemeinschaften sichere Orte für Kinder und Jugendliche sind, und dass ihre Sicherheit zu einer Priorität für die ganze Gesellschaft werden“, hob die Bischofskonferenz hervor. Auch einen eigenen Gedenktag der polnischen Kirche für Opfer sexuellen Missbrauchs soll es künftig jeweils am ersten Freitag in der Fastenzeit geben.

Präsentiert wurde die Erklärung am Montag vom polnischen Primas Erzbischof Wojciech Polak und dem Bischofskonferenz-Vorsitzenden Erzbischof Stanislaw Gadecki. Das Dokument unterstreiche den entschiedenen Willen der Kirche, gegen das Problem des Missbrauchs zu kämpfen, sagten sie bei einer Pressekonferenz in Tschenstochau. Kirchliche Präventionssysteme müssen künftig stärker als bisher wirksam werden. Darüber bestehe unter den polnischen Bischöfe volle Einstimmigkeit, sagte Gadecki. In Kürze soll es dazu ein eigenes Programm für Diözesen und Ordensgemeinschaften geben.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende verwies u.a. auf Vorgaben aus dem Jahr 2011 zur Verfolgung und Bestrafung von Missbrauchstätern aus dem kirchlichen Bereich, die auch eine Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsorganen vorsähen. Seit 2014 bestehe zudem ein vom Missbrauchsbeauftragten der Polnischen Bischofskonferenz, dem Jesuit Adam Zak, geleitetes Kinderschutz-Zentrum. In allen Diözesen gebe es Missbrauchsbeauftragte an die sich Betroffene wenden könnten. Das Kinderschutz-Zentrum organisiere auch Schulungen für den Diözesan- und Ordensklerus, die durch Bewusstseinsbildung präventiv dazu beitragen sollen, Kinder und Jugendliche vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

Sexueller Missbrauch an Minderjährigen stelle ein ernstes Problem in der polnischen Gesellschaft dar, fügte Erzbischof Gadecki hinzu. Es gäbe diese „Sünde“ nicht nur im Umfeld der katholischen Kirche, erinnerte der Bischofskonferenz-Vorsitzende. Andere Institutionen aber verfügten weder über Missbrauchsbeauftragte noch Präventionsprogramme, so Gadecki. Freilich trage die Kirche als „moralische Autorität“ bei diesem Thema „besondere Verantwortung“.

In Polen löste zuletzt der Kino-Film „Kler“ („Klerus“) von Wojciech Smarzowski eine heftige Debatte über das Tabuthema Missbrauch durch Priester und den Einfluss der Kirche in Politik und Gesellschaft aus. Seit Ende September zog der Film rund fünf Millionen Menschen in die polnischen Kinos.

Unterdessen räumte auch Spaniens katholische Kirche öffentlich Missbrauch an Minderjährigen durch Priester ein. „Die Kirche gibt Missbrauchstaten verschiedener Art offen zu und ist fest entschlossen, das Übel an der Wurzel zu packen“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Ricardo Blazquez, bei der Vollversammlung der Bischöfe in Madrid (Montag).

Sünden müssten demütig vor Gott und ohne Ausflüchte vor den Mitmenschen zugegeben werden, so der Kardinal, und weiter: „Wir dürfen diese Taten weder vertuschen, noch dürfen wir falsch darauf reagieren.“

Auch in Spanien war die Kirche wegen ihres Umgangs mit dem Thema Missbrauch in die Kritik geraten. Die Zeitung „El Pais“ etwa wirft ihr systematische Vertuschung vor. Schuldige Priester seien in den vergangenen Jahrzehnten kaum zur Verantwortung gezogen worden.




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