Letztes Update am Di, 20.11.2018 16:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Todesstrafe wegen tödlicher Gewalt gegen Sikhs vor 30 Jahren



Neu-Delhi (APA/AFP) - Ein indisches Gericht hat am Dienstag ein seltenes Todesurteil im Zusammenhang mit den gewalttätigen Ausschreitungen gegen die religiöse Minderheit der Sikhs im Jahr 1984 gefällt. Richter Ajay Pandey verurteilte Yashpal Singh wegen der Tötung zweier Männer in Neu Delhi während der Unruhen zum Tode. Ein weiterer Verurteilter bekam für seine Beteiligung an der Tat eine lebenslängliche Haftstrafe.

Die Polizei hatte den Fall gegen beide Männer 1994 wegen Mangels an Beweisen zu den Akten gelegt. Eine 2015 eingesetzte Sonderermittlungseinheit nahm die Untersuchung wieder auf - so wie in rund 60 weiteren Fällen in Verbindung mit dem Massaker vor mehr als 30 Jahren.

Die Unruhen waren wenige Stunden nach dem Mord an Premierministerin Indira Gandhi durch zwei ihrer Sikh-Leibwächter im Oktober 1984 ausgebrochen. Drei Tage lang wurden Sikhs gejagt, vergewaltigt und getötet, ihre Häuser und Geschäfte angezündet. Im ganzen Land, insbesondere aber in Neu Delhi, wurden Menschen aus ihren Häusern gezerrt und bei lebendigem Leib verbrannt. Offiziellen Angaben zufolge starben fast 3.000 Menschen.

Gandhi hatte zuvor indische Truppen angewiesen, den Goldenen Tempel, das größte Heiligtum der Sikhs, zu erstürmen. Dort hatten sich militante Anhänger der Religionsgemeinschaft verschanzt.

Angehörige der Opfer feierten nun den Gerichtsentscheid in Neu Delhi als Sieg der Gerechtigkeit und verliehen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass weitere Urteile folgen mögen. Bisher wurden nur wenige Täter wegen der Massaker belangt. Die letzte Todesstrafe in diesem Zusammenhang war 1996 verhängt worden. Anschuldigungen gibt es unter anderem gegen Mitglieder von Gandhis Kongress-Partei - darunter auch zwei ehemalige Minister.

Der religiösen Minderheit der Sikh gehören in Indien etwa 20 Millionen Menschen an. Weltweit gibt es rund 27 Millionen Sikh.




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