Letztes Update am Di, 20.11.2018 18:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Es wird Zeit“: Eine Million Euro für Colonia-Dignidad-Opfer



Berlin (APA/dpa) - Hunderte Opfer der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile können erstmals mit finanzieller Unterstützung rechnen. Im Bundeshaushalt für 2019, den der Deutsche Bundestag am Freitag beschließen will, wird auf Druck von Abgeordneten als erster Schritt eine Million Euro unter anderem für mögliche Hilfszahlungen eingeplant.

„Dass die rund 250 Opfer von Zwangsarbeit, Folter und Missbrauch bis heute keinen Cent gesehen haben, widerspricht eklatant den Sonntagsreden unserer Diplomaten über die deutsche Mitverantwortung“, sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Michael Brand, der Deutschen Presse-Agentur. Erstmals gebe es nun die Möglichkeit für direkte Hilfszahlungen, so Brand, „also das, was deutsche Diplomaten verhindern wollen.“ Das Parlament habe dem Auswärtigen Amt gezeigt, dass es nicht mit sich spielen lasse.

Fraktionsübergreifend wolle man nun zeitnah zu Ergebnissen kommen, wie die Hilfe ausgestaltet wird. Das wird in der Kommission „zur Umsetzung des Hilfskonzepts für die Opfer der Colonia Dignidad“ von Bundestagsmitgliedern und Bundesregierung geschehen. „Es wird Zeit, dass den Worten endlich Taten folgen.“ Dazu werden auch Opfer gehört. Das Konzept soll dann bis zum Sommer 2019 stehen - auf der Basis sollen die zunächst gesperrten Mittel verteilt werden.

In der 1961 von dem deutschen Auswanderer Paul Schäfer rund 350 Kilometer südlich von Santiago de Chile gegründeten Kolonie kam es jahrzehntelang zu Folter, Zwangsarbeit und Kindesmissbrauch. In der chilenischen Militärdiktatur wurden auf dem abgeschotteten Areal zudem Regimegegner gefoltert und ermordet. Zuletzt entschied ein deutsches Gericht, dass Hartmut Hopp, einst Arzt der „Colonia Dignidad“, auf freiem Fuß bleiben darf. Er war in Chile wegen Beihilfe zum Kindesmissbrauch verurteilt worden. Bevor seine Strafe rechtskräftig wurde, floh er nach Deutschland. Weil er als Deutscher nicht nach Chile ausgeliefert werden darf, hatte Chile beantragt, dass er die fünfjährige Haftstrafe in Deutschland verbüßen muss.




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