Letztes Update am Di, 20.11.2018 21:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltklimarat-Experte: Klimawandel muss jetzt gestoppt werden



Wien/Katowice (Kattowitz) (APA) - Der Klimawandel muss jetzt gestoppt werden und das 1,5-Grad-Ziel ist aus wissenschaftlicher Sicht zu erreichen. Aber „es braucht den politischen Willen, denn diese Dinge passieren nicht von selbst“. So die Hauptaussage des Forschers Joeri Rogelj, einer der Hauptautoren des Sonderberichts des Weltklimarats IPCC, bei einer Veranstaltung von Global 2000 am Dienstagabend im Haus der EU in Wien.

Handlungen müssten aber jetzt und während der kommenden Dekade gesetzt werden, um die Erderwärmung zu stoppen. Es brauche aber in allen Systemen, vom Energie-, Agrar- und Industriesektor bis hin zur Infrastruktur, „drastische Maßnahmen“, fasste Rogelj in seiner Eröffnungsrede den Inhalt des Anfang Oktober erschienen Reports zusammen.

Der Experte, der auch bei der beim Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg tätig ist, war später Teil einer fünfköpfigen, rein männlich besetzten Diskussionsrunde. „In welche Klimazukunft gehen wir?“ lautete deren Fragestellung und Rogeljs Antwort war klar. Jedoch, die „gefühlte Mehrheit ist von der Problematik nicht berührt“, warnte Martin Steininger, Geschäftsführer der Windkraft Simonsfeld. Dies sei „größte Herausforderung“ im Kampf gegen den Klimawandel, der ihn selbst seit 30 Jahren beschäftige.

Die Veranstaltung hatte natürlich auch den in zwei Wochen startenden UN-Klimagipfel in polnischen Kattowitz im Fokus. Zu lange habe man von weit fernliegenden Zielen gesprochen, merkte Johannes Wahlmüller an, Klimasprecher von Global 2000. Kattowitz werde ganz im Zeichen des neuen IPCC-Berichts stehen: „Es geht jetzt darum, die Konsequenzen zu ziehen“, die EU müsse das tun, was bedeute, dass die nationalen Beiträge (Nationally Determined Contribution/NDC) zur Erreichung der Emissionsziele verbessert gehören. Österreich brauche, insbesondere aufgrund des EU-Vorsitzes, eine glaubwürdige Klimapolitik. Die „Klarheit bei der Migrationspolitik“ fehle jedoch bei der Klimapolitik.

Auf Wahlmüllers Kritik an den österreichischen Klimaplänen reagierte indes Josef Plank, Generalsekretär des Umweltministeriums, mit der Feststellung, dass man mit der Klima- und Energiestrategie immerhin dezidiert Dekarbonisierung bis Mitte des Jahrhunderts beschlossen habe. „Man redet nur noch darüber, wie dies umgesetzt werde“, sagte Plank, der als Vertreter der Regierung naturgemäß im Zentrum der allgemeinen Kritik stand. Was die COP24 in Kattowitz betrifft, „da muss es Ergebnisse geben“, forderte der Generalsekretär. Eine Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens soll dort ja das Endresultat sein.

Kritik an der Haltung der EU wurde von Jorge Pinto-Antunes von der EU-Kommission nicht beantwortet. Er hatte seinen Flug nach Wien nicht rechtzeitig angetreten. Eine solche kam etwa vom Grünen EU-Abgeordnete Thomas Waitz. Zwar sei die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) inzwischen schon am Klimawandel orientiert, die EU-Politik insgesamt aber nicht langfristig genug. Was Notwendigkeiten gegen den Klimawandel betrifft, da gelte: „Populisten und unpopuläre Maßnahmen gehen nicht zusammen“, so Waitz mit Hinweis auf Österreich und Europa und die dortigen Regierungskonstellationen.

Das vom Weltklimarat eingeforderte rasche Handeln vermisste der Geschäftsführer der IG Windkraft, Stefan Moidl. „Potenziale für ‚Null CO2 gibt es viele“, sagte Moidl, der in der Realität aber „stark sinkende Trends“ bei den Erneuerbaren verortete. 2017 habe man in Österreich um 58 Prozent weniger in Erneuerbare als 2011 investiert, und auch die Internationale Energieagentur (IEA) habe zuletzt einen globalen Rückgang festgestellt. „Das sind alles Trends, die nicht mit der Klimadebatte zusammenpassen.“




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