Letztes Update am Mi, 21.11.2018 08:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Hausarztordination“ an der Wiener Universitätsklinik erfolgreich



Wien (APA) - Husten, Schnupfen, Heiserkeit sind derzeit in Österreich im Aufwind. In diesen und vielen anderen Fällen kommt es - wenn kein Hausarzt vorhanden oder gerade nicht im Dienst ist - zum Marsch von Patienten in fachärztlich betreute Ambulanzen der Spitäler. Abhilfe verspricht das Modell der „Allgemeinmedizinischen Akutordination“ (A) im Wiener AKH, die vom Ärztenotdienst (Tel.: 141) betrieben wird.

„Ich glaube, das ist ein Best Pratice Modell in Großstädten. Im Spital geben wir pro Tag für einen Patienten in Österreich rund 850 Euro aus. Ein Behandlungsfall in der niedergelassenen Praxis kostet uns 58 Euro“, sagte der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Alexander Biach, als er vor kurzem die Einrichtung im Wiener AKH besuchte.

Untergebracht ist AMA in unmittelbarer Nähe der Notfallambulanz im Wiener AKH. Biach bezeichnete sie als ein Paradebeispiel, wie sich in Österreich in Ballungszentren Allgemeinmedizin speziell für Menschen mit akutem Bedarf, aber ohne eigenen Hausarzt und für Patienten außerhalb der klassischen Öffnungszeiten von Ordinationen organisieren ließe. Terezija Aigner, erfahrene Hausärztin mit großer Praxis in Wien und stellvertretende Leiterin des Wiener Ärztenotdienstes, sagte dazu: „Im Jahr 2015 plante die Stadt Wien gemeinsam mit der MedUni Wien im AKH und der Gebietskrankenkasse die Pilotierung einer allgemeinmedizinischen Akutversorgung. Sie sollte außerhalb der üblichen Ordinationszeiten sowie an Wochenenden und Feiertagen ganztägig eine Versorgungsalternative zur Notfallambulanz bieten.“

Das Wiener AKH stellte die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung. Das sind zwei Behandlungsräume und ein Arbeitsplatz in der Leitstelle der Nachbehandlung für Unfallchirurgie. Man definierte und schuf die technische Einrichtung (EKG, Blutlabor-Testmöglichkeit etc.) und sorgte für die möglichst enge Anbindung an die Notfallambulanz des AKH selbst. Ordinationsprogramm, Laptop, Drucker, E-Card-System etc. wurden vom Ärztefunkdienst gestellt. Die Ambulanz wurde im Herbst 2016 eröffnet.

Das ist das Programm der Einrichtung, die unter der Leitung der Währinger Hausärztin Yvetta Zakarian steht: An Werktagen ist die allgemeinmedizinische Ambulanz von 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr mit einer Allgemeinmedizinerin und einem Medizinstudenten bzw. einer Medizinstudentin besetzt. An Wochenenden und Feiertagen ist die AMA zwischen 10.00 Uhr und 22.00 Uhr geöffnet. Bis 18.00 Uhr arbeiten dort zwei Allgemeinmediziner und eine diplomierte Pflegekraft. Im Jahr 2017 wurden fast 21.400 Patienten betreut. Von Anfang 2018 bis Ende August waren es bereits fast 14.000. Der größte Vorteil für das Gesundheitswesen, der sich aus der „Hausarztordination“ am Wiener AKH ergibt: Nur 7,5 Prozent der Patienten benötigten wirklich eine fachärztliche Versorgung und konnten gleich an die Notfallambulanz des AKH nebenan überwiesen werden. Damit leistete AMA eine wertvolle Arbeit bei der Entlastung der Notfallambulanz des AKH und verkürzte die Wartezeiten der Patienten.

Die Erkrankten, die sich in der Allgemeinmedizinischen Akutordination bisher einstellten, kamen zum überwiegendsten Teil mit klassischen gesundheitlichen Problemen in diese Einrichtung, wie sie auch sonst zum Besuch des Hausarztes führen: Infektionen der oberen Atemwege, Blutdruckkrisen, allergische Reaktionen, Ekzeme, Abszesse, Probleme mit Dauerkathetern, Notwendigkeit für das Wechseln eines Verbandes, Wirbelsäulenbeschwerden etc. Darüber hinaus klärten die Hausärzte im AKH potenzielle Symptome von Herzbeschwerden ab, führten Schwangerschaftstests durch oder gaben Infusionen.

Organisatorisch hängt AMA am Wiener Ärztefunkdienst, der von Ernest Zulus geleitet wird. Mit dem ärztlichen Personal gibt es keine Probleme. „Wir haben 38 Kolleginnen und Kollegen, die an der Ambulanz mitarbeiten. Es gibt viele Interessenten“, sagte Zulus. Viele der bei AMA engagierten Ärzte machen beispielsweise zwei oder drei Dienste pro Monat.

Ökonomisch ist die Ambulanz für die Krankenkassen sogar noch erfolgreicher als man es erwartet hatte: Wie sich herausgestellt hat, liegen die wahren Kosten pro Fall bei 34 Euro.




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