Letztes Update am Mi, 21.11.2018 11:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Burgenländer wegen Vergehen der Kindesentziehung vor Gericht



Eisenstadt (APA) - Ein Fall von Kindesentziehung hat am Mittwoch das Landesgericht Eisenstadt beschäftigt. Ein 30-jähriger Burgenländer soll seinen elfjährigen Stiefsohn und seinen bald zweijährigen leiblichen Sohn nach einem Ausflug in den Prater im heurigen August nicht mehr in die Wohngemeinschaft, in der die beiden untergebracht waren, zurück- sondern nach Rumänien gebracht haben.

Körperliche Beschwerden, Hautausschläge, unhygienische Zustände in der Wohngemeinschaft im Südburgenland haben den Angeklagten nach eigenen Angaben dazu gebracht, die Kinder nicht mehr zurückzubringen. Geplant sei das allerdings nicht gewesen, gab er vor Einzelrichterin Karin Lückl zu Protokoll. „Wir (die Ehefrau und er, Anm.) sind mit den Kindern nach Rumänien gefahren - aus Sicherheit“, meinte er. Rumänien ist auch die Heimat seiner Frau. Der ältere Bub habe angedroht, dass er sich etwas antue, wenn er wieder zurück in die Einrichtung müsse. Er sei dort nicht glücklich gewesen. „Wissen Sie, wann er wieder glücklich war? Wie wir an der Grenze waren“, erinnerte sich der 30-Jährige.

Die Richterin hielt dem Mann vor, dass er der Behörde hätte melden müssen, dass er die Kinder nicht zurückbringe, weil er Gefahr in Verzug sehe. Der Angeklagte erklärte darauf: „Sie haben sicher auch Kinder. Da hätten Sie auch Angst, dass man die Brüder dann trennt“. Denn genau das habe man befürchtet bzw. sei ihnen angedroht worden, dass nicht mehr lange Platz für die Kinder in der Einrichtung sei.

Bei einer Befragung gab der Elfjährige an, dass es ihm dort gut gehe, er aber schon lieber bei der Mama sein wolle. Allerdings sagte er auch, es gebe nichts, was er dort schlecht finde, hielten sowohl die Richterin als auch Staatsanwältin Verena Strnad fest.

Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes schilderte die Beweggründe, weshalb die Kinder dem seit 1. August verheirateten Paar abgenommen wurden: „Es gab immer wieder Streitereien in der Familie, auch körperliche Auseinandersetzungen. Das war für uns nicht mehr tragbar“, sagte die Mitarbeiterin.

Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht sehr emotional, fiel u.a. der Staatsanwältin in ihrem Plädoyer ins Wort. Zuvor hatte er in einer kurzen Pause vor dem Gerichtssaal für kurzfristige Aufregung gesorgt: Als er von den Justizwachebeamten hinausgebracht wurde, um sich mit seinen Verteidigern zu unterhalten, schrie er plötzlich: „Hilfe, er tut mir weh“.

Der Burgenländer, der sich seit Oktober in Untersuchungshaft befand, wurde zu 14 Monaten, davon 13 Monate bedingt, verurteilt. Richterin Lückl erklärte: „Ich kann durchaus nachvollziehen, dass man als Elternteil mit dieser Situation sehr schwer umgehen kann“. Allerdings kaufte sie dem Mann nicht ab, dass die Tat nicht geplant gewesen sei, da er Reisepässe zum Ausflug in den Prater mitgebracht hatte. Ob nun spontan oder nicht sei jedoch nicht relevant.

Den bisher ordentlichen Lebenswandel wertete sie mildernd, auch dass er sich in ihren Augen geständig gezeigt habe. Erschwerend war, dass es sich um zwei Kinder gehandelt habe. Staatsanwältin und Verteidiger gaben keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. Die Ehefrau muss sich nun in ihrem Heimatland vor Gericht verantworten. Auch die Kinder befinden sich laut Anwälten noch in Rumänien.




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