Letztes Update am Mi, 21.11.2018 11:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Haftendes Hydrogel könnte bei Heilung von Knorpelschäden helfen



Lausanne (APA/sda) - Forscher der ETH Lausanne (EPFL) haben ein Hydrogel entwickelt, das an weichen Geweben haftet. Das zu fast 90 Prozent aus Wasser bestehende Gel könnte als Trägermaterial für Reparaturzellen oder Medikamente dienen, die wiederum Schäden an Knorpel oder Meniskus heilen helfen. Dies teilte die EPFL am Mittwoch mit.

Neu ist die Idee zwar nicht, allerdings können herkömmliche Hydrogele leicht verrutschen aufgrund der Bewegung der Gelenke. Deshalb verwenden Mediziner spezielle Membranen, die sie einnähen, um solche Hydrogele an Ort und Stelle zu halten. Die Forscher um Dominique Pioletti und Pierre-Etienne Bourban von der EPFL machen diesen Schritt mit ihrem neuen Material unnötig, da es von selbst haftet. Davon berichteten sie kürzlich im Fachblatt „ACS Applied Materials & Interfaces“.

Das Hydrogel hafte zehnmal besser als derzeit erhältliche Materialien, erklärte Pioletti laut einer Aussendung. Grund dafür ist seine spezielle Struktur, die die einwirkenden mechanischen Kräfte im Material verteilt. Ohne einen solchen dämpfenden Mechanismus konzentrierten sich die Kräfte auf die Fläche zwischen Hydrogel und Gewebe und das Hydrogel löse sich leicht, so die Forscherin.

Aufbauend auf den Haftfähigkeiten des Materials seien in Zukunft noch ganz andere Anwendungen denkbar, fügte Studienautor Martin Broome vom Universitätsspital Lausanne hinzu. „Vielleicht könnte man es zum Beispiel eines Tages anstelle von metallischen Materialien wie Titan einsetzen, um Knochenbrüche zu richten.“

Die Wissenschafter arbeiten nun daran, das Hydrogel weiter zu optimieren für spezifische Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel indem sie es mit Wirkstoffen beladen, wie die EPFL schrieb. Unterstützt wird die Forschung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

(S E R V I C E - Fachartikellink: https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acsami.8b10735)




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