Letztes Update am Mi, 21.11.2018 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball: Gregoritsch darf in seinem „Traumberuf“ EM-Luft schnuppern



St. Pölten (APA) - Österreichs U21-Fußball-Nationalteam hat mit der erstmaligen Qualifikation für eine EM am Dienstag einen Meilenstein gesetzt. Für den ÖFB hat es sich bezahlt gemacht, weiter auf den nicht immer unumstrittenen Teamchef Werner Gregoritsch zu bauen. Der 60-jährige Steirer darf in seinem „Traumberuf“ kommenden Juni nach dann mehr als siebenjähriger Tätigkeit endlich Endrundenluft schnuppern.

„Für den Trainer freut es mich ganz im Besonderen, da er seit Jahren mit jeder Faser seines Wesens dahintersteht, dass wir dieses Ziel schaffen und jetzt haben wir es erreicht“, kamen von ÖFB-Präsident Leo Windtner lobende Worte. Für Gregoritsch ging es in seiner Amtszeit, die im Jänner 2012 begann, stetig bergauf.

Die erste Quali machte er als Nachfolger des zum US-Verband gewechselten Andreas Herzog fertig und wurde Vierter. Es folgten drei Qualifikation mit jeweils Endrang zwei. Bei den jüngsten beiden Auflagen reichte das für das Play-off, im zweiten Anlauf gab es nun das EM-Ticket. „Viele haben es probiert. Dass wir es jetzt geschafft haben, ist sensationell, und zeigt, dass wir immer beharrlich weitergearbeitet haben“, sagte ein überglücklicher Gregoritsch.

Für ihn persönlich ist es einer der Höhepunkte seiner Trainerkarriere. „Bei meinem Stammverein GAK bin ich nach zwei Monaten Cupsieger geworden, das war für mich der Einstieg in den Profifußball, daher was Besonderes. Aber die EM-Teilnahme ist insofern schön, weil ich immer gesagt habe, dass U21-Teamchef mein Traumberuf ist. Und wenn ich den auch erfolgreich bestreite, ist es umso schöner“, verlautete Gregoritsch, der laut eigenen Angaben schon 1994 ein Kandidat für das U21-Amt gewesen sei.

Den Ausschlag für den Erfolg gaben mehrere Faktoren. Einer davon ist die Vergrößerung des Personals rund um das Team. So stand zuletzt ein Videoanalyst und auch eigener Koch zur Verfügung. „Wir haben schon Dinge bekommen, die dieser Mannschaft gut getan und ihr Wertigkeit gegeben haben, auch wenn es kleine Dinge waren“, erläuterte Gregoritsch.

Bei ihm kommt auch der Spaßfaktor nicht zu kurz. „Jeder freut sich, wenn er herkommt. Wir haben unsere Gaudi, die Stimmung passt bei jedem Lehrgang, auch das Training macht Spaß“, gab Abwehrspieler Maximilian Wöber Einblick. Daran ändert nichts, dass im Team Spieler der Jahrgänge 1996 bis 1999 durcheinandergemischt sind. „Es passt einfach die Mischung. Die Jungen scheren sich nichts, und hinten stehen wir gut, haben viel Erfahrung für eine U21“, meinte der 20-jährige Ajax-Legionär.

Ein wichtiger Baustein ist auch die gute Zusammenarbeit zwischen A-Teamchef Franco Foda und Gregoritsch. „Wir kennen uns schon lange und haben uns vom ersten Moment an sehr gut verständigt, was die Teams betrifft. Er hat mir auch Spieler ermöglicht“, erläuterte der U21-Coach. Zuletzt etwa Konrad Laimer. Mit Wöber, Philipp Lienhart, Hannes Wolf und Kevin Danso gibt es noch andere Akteure, die am Dienstag auf dem Platz standen und bereits im Kreis des A-Teams dabei waren.

Dort zeigten mit Xaver Schlager und Valentino Lazaro zuletzt in der Nations League zwei Akteure mit Toren auf, die bei der nächsten U21-EM noch spielberechtigt sind. „Der Teamchef setzt auf junge Spieler, das freut mich. Es gibt den Spielern noch mehr Motivation bei der U21 gut zu spielen, weil man dann noch mehr Chancen hat, schneller ins A-Team zu kommen“, sagte Gregoritsch. Das Potenzial seiner Kicker sei sehr groß. „Man muss für die Zukunft keine Angst haben.“

2019 steht die Vorbereitung auf die EM im Fokus. Welche Kicker dort zum Einsatz kommen, ist noch offen. Das A-Team absolviert vor dem Turnier im Juni EM-Qualifikationsspiele, zudem besteht für die U21-EM auch keine Abstellungspflicht für die Clubs. „Ich glaube, dass man mit der Mannschaft für eine Überraschung sorgen kann. Wenn man sich gut vorbereitet und auch die Spieler bekommt, die man haben will, dann ist sehr viel möglich“, blickte Gregoritsch positiv in die Zukunft.

Er selbst hat da nicht unbedingt die Zügel in der Hand. „Man muss sich im ÖFB einig sein, was man will. Es ist ja die Zeit, wo die Vereine Pause haben, man daher eigentlich schon mit der stärksten Mannschaft spielen kann. Es ist für mich Sache des Sportdirektors, des Präsidiums, des Teamchefs“, sagte Gregoritsch. Er rechnet dabei mit einem guten Ausgang: „Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr starke U21 für die EM zusammenstellen werden.“ Das Turnier geht zwischen 16. und 30. Juni in Italien und San Marino über die Bühne.




Kommentieren