Letztes Update am Mi, 21.11.2018 13:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


17 Messerstiche: Mordprozess gegen eifersüchtigen Ehemann



Wien (APA) - Mit 17 Messerstichen, darunter elf in die Brust und in den Bauch, hat ein 61-jähriger Mann am 24. Mai 2018 in Wien-Favoriten seine um 18 Jahre jüngere Ehefrau zu Tode gebracht. „In diesem Moment muss ich mich so geärgert haben, dass ich nicht mehr weiß, was ich getan habe“, lautete am Mittwoch seine Verantwortung am Landesgericht, wo er sich wegen Mordes zu verantworten hatte.

Das aus Serbien stammende Paar hatte 1997 geheiratet. Nachdem die beiden Töchter volljährig waren, übersiedelte die Frau 2015 aus beruflichen Gründen nach Wien. Ein Jahr später folgte ihr Ehemann, nachdem ein über ihn verhängtes 30-jähriges Aufenthaltsverbot abgelaufen war. 1986 war er in Österreich wegen Raubes vor Gericht gestanden. Er fand nach seiner Rückkehr einen Job bei einer Reinigungsfirma und ließ daraufhin auch seine erwachsenen Töchter aus Serbien nachkommen.

Das Eheleben verschlechterte sich in weiterer Folge zusehends. Grund war die Eifersucht des Mannes, der davon ausging, dass seine Frau außereheliche Kontakte pflegte, wofür es - wie die späteren Ermittlungen zeigten - keinen Anhaltspunkt gab. Immer wieder kam es dieses Themas wegen zu Streitereien und Handgreiflichkeiten. Einmal verfolgte der 61-Jährige seine Frau mit einem Messer durch die Wohnung. Eine Tochter ging dazwischen und verhinderte damit Schlimmeres. All diese Zwischenfälle gelangten nicht zur Anzeige.

Beim letzten Streit soll die 43-Jährige ihrem Mann erklärt haben, er könne seine Sachen packen, weil sie „einen anderen“ habe. Das behauptete der 61-Jährige jetzt vor einem Schwurgericht. Dazu habe sie ihn weggeschubst. Da habe er zu einem Küchenmesser gegriffen: „Als ich mich wieder besonnen habe, habe ich sie da liegen gesehen am Boden. Blutend.“

Dem Obduktionsgutachten zufolge wurden die Stiche äußerst wuchtig und kraftvoll geführt. Die Wunden waren bis zu 18,5 Zentimeter tief. „Was wollten Sie erreichen?“, wollte die vorsitzende Richterin Andrea Wolfrum wissen. „Ich weiß es nicht. Ich liebte sie so. Ich war sehr eifersüchtig“, erwiderte der Angeklagte. Er habe sie nicht umbringen wollen.

Er habe sich zur Leiche hinabgebeugt und ihr das Blut abgewischt. „Ich habe sie geküsst und geweint“, schluchzte und schniefte der 61-Jährige. Ihm sei unklar, „warum das alles geschehen ist. Vermutlich hätten wir uns auch anders trennen können. Ich habe alles in meinem Leben verloren“. „Ihre Frau hat ihr Leben verloren. Genug des Selbstmitleids“, fiel ihm darauf die Richterin ins Wort.

Nach vollbrachter Tat trug der Mann die Tote ins Bett, setzte sich daneben hin und trank mehrere Stamperl Schnaps. Dann verfasste er einen Brief an seine Töchter. „Kinder, euer Vater musste das tun. Sie hat mich genug an der Nase herumgezogen“, hieß es in dem Schreiben. Und weiter: „Ich weiß, dass ihr mich hassen werdet. Aber es musste so sein. Das ist unser Schicksal. [...] Kinder, das ist das Ende.“ Dann schlief er ein.

Als die beiden Töchter vom Deutschkurs nach Hause kamen, fanden sie den schlafenden, über die Leiche der Mutter gebeugten Vater. Sie verständigten Rettung und Polizei, die den Verdächtigen aufweckten. Mit dem Urteil dürfte nach 15.00 Uhr zu rechnen sein.




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