Letztes Update am Mi, 21.11.2018 14:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Saudi-Arabien/USA: Freundschaft auf Grundlage von Sicherheit und Öl



Dubai/Istanbul (APA/AFP) - Saudi-Arabien ist seit langem ein enger Verbündeter der USA im Nahen Osten. Die Partnerschaft ist vor allem auf Sicherheitsüberlegungen und Öl zurückzuführen. Die Verbundenheit und Freundschaft zwischen beiden Ländern verlief jedoch nicht immer reibungslos - zuletzt sanktionierten die USA 17 saudiarabische Staatsbürger wegen der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi.

Doch grundsätzlich will US-Präsident Donald Trump nicht an der engen Partnerschaft mit Riad rütteln.

PARTNER SEIT 1945

Saudi-Arabien und die USA nahmen 1940 diplomatische Beziehungen auf. Am 14. Februar 1945 wurde die Partnerschaft bei einem historischen Treffen von König Abdel Asis bin Saud und US-Präsident Franklin D. Roosevelt an Bord der „USS Quincy“ im Suezkanal besiegelt. Die Vereinbarung sah US-Garantien zum militärischen Schutz des Königreichs im Gegenzug für Begünstigungen der USA beim Zugang zu den saudiarabischen Ölreserven vor.

ZUSMENARBEIT GEGEN SADDAM HUSSEIN

Nach der Invasion Kuwaits durch den irakischen Diktator Saddam Hussein 1990 erlaubte Riad die Stationierung hunderttausender US-Soldaten im Königreich. Saudi-Arabien diente als Basis für die US-geführte Koalition im Golfkrieg von 1991. In den Folgejahren stationierte die Koalition Flugzeuge in Saudi-Arabien, um eine Flugverbotszone im südlichen Irak durchzusetzen. Dies schürte die Wut saudiarabischer Fundamentalisten, welche Mitte der 90er Jahre zwei gegen die USA gerichtete Anschläge auf saudiarabischem Boden verübten.

SPANNUNGEN NACH 9/11

Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA waren ein schwerer Rückschlag für die bilateralen Beziehungen - 15 der 19 Flugzeugentführer waren Saudiaraber. Riad verurteilte die Anschläge, wurde aber beschuldigt, den islamischen Extremismus zu finanzieren. Saudi-Arabien weigerte sich, sich Ende 2001 an den Luftangriffen auf Afghanistan und am Einmarsch in den Irak 2003 zu beteiligen. Die USA durften saudiarabisches Gebiet aber erneut als Basis für Luftangriffe gegen Saddam Hussein nutzen. Zwar verlegte Washington die meisten verbliebenen US-Soldaten nach Katar, erhielt die Militärkooperation mit Riad aber aufrecht.

VERTRAUENSKRISE UNTER OBAMA

Saudi-Arabien stützte den Aufstand in Syrien gegen Machthaber Baschar al-Assad und zeigte sich verärgert, dass US-Präsident Barack Obama im September 2013 Luftangriffe auf die syrische Führung verweigerte. Einen Monat später verweigerte Saudi-Arabien aus Protest einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Das 2015 auch von den USA unterzeichnete Atomabkommen mit Saudi-Arabiens Erzrivalen Iran ließ das Vertrauen Riads in die Obama-Regierung weiter schwinden.

VERBESSERTE BEZIEHUNGEN UNTER TRUMP

Die saudiarabische Führung begrüßte den Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump. Im Mai 2017 besuchte der neue US-Präsident bei seiner ersten Auslandsreise das sunnitische Königreich, wo er prunkvoll empfangen wurde. Trump forderte die Isolierung des Iran, um den zunehmenden Einfluss des schiitischen Landes im Nahen Osten einzudämmen. Washington und Riad schlossen Milliardendeals, darunter über den Verkauf von US-Waffen an Riad, um gegen Teheran und radikale Islamisten vorzugehen.

Im März bereitete 2018 Trump dem saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman einen überschwänglichen Empfang im Weißen Haus und sprach von einer „großartigen Freundschaft“.

Im Mai erklärte Saudi-Arabien, es „begrüße und unterstütze“ den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran.

KHASHOGGI-AFFÄRE

Am 2. Oktober betrat der saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi, der als Kolumnist für die US-Zeitung „Washington Post“ gearbeitet und seit 2017 im selbstgewählten US-Exil gelebt hatte, Saudi-Arabiens Konsulat in Istanbul, um Dokumente für seine Heirat abzuholen. Er verließ das Gebäude nicht wieder. Erst nach wochenlangem Druck gab die Führung in Riad schließlich zu, dass Khashoggi im Konsulat von Agenten des Königreichs vorsätzlich getötet wurde.

Am 15. November verhängten die USA in dem Fall Sanktionen gegen 17 Saudiaraber. Am 16. November zitierte die „Washington Post“ anonyme Ermittlungsquellen, wonach die CIA zu dem Schluss gekommen ist, dass der Kronprinz in die Tötung Kashoggis verwickelt ist. Am 20. November erklärte Trump, es sei möglich, dass der Kronprinz von der Tötung gewusst habe. Trotzdem werde es keine Veränderung in den bilateralen Beziehungen geben.




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