Letztes Update am Mi, 21.11.2018 16:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ehemaliger Wiener Spitalsarzt 2 - Zeuge belastete Mediziner



Wien (APA) - Der Sohn des griechischen Patienten wies die Verantwortung des angeklagten Arztes zurück. Er bezeichnete diese im Zeugenstand wörtlich als „Schwachsinn“. Der Arzt habe sich um seinen Vater „gar nicht gekümmert“, behauptete der 39-Jährige.

Der Sohn hatte sich ans AKH gewandt, „da die Situation meines Vaters schlimm war“, wie der 39-Jährige am Nachmittag am Landesgericht berichtete. Der ehemalige Kampfpilot litt an einer Lungenfibrose. „Die Pulmologen in Griechenland haben gesagt, dass eine Lungentransplantation dringend notwendig ist“, erinnerte sich der Zeuge. Mehrere Leute hätten ihm darauf das Wiener AKH empfohlen.

Der 39-Jährige, der in Tirol studiert hatte und daher sehr gut Deutsch spricht, kontaktierte die Telefonvermittlung des AKH, wo er sein Anliegen vorbrachte. Er wurde aber nicht an die Thoraxchirurgie verwiesen, sondern landete in einer anderen Abteilung, wo er mit dem Angeklagten verbunden wurde. Dieser habe ihm empfohlen, „so schnell wie möglich nach Wien zu kommen, um sich die Situation anzuschauen“. Dem kam man nach. Der Angeklagte übernahm im September 2015 die Behandlung - allerdings in seiner Privatordination. Viel sei dort nicht passiert, betonte der 39-Jährige. Sein Vater sei für mehrere Tage auf die Abteilung des Angeklagten im AKH überstellt worden, danach nach Griechenland zurückgekehrt und erst im November 2015 wieder nach Wien gekommen, als sich sein Zustand verschlechterte.

Beim ersten Wien-Aufenthalt seines Vaters soll ein anderer Patient, den der Zeuge aus Griechenland als „guten Freund“ des mittlerweile suspendierten Arztes bezeichnete, angesprochen haben. „Er hat gesagt, dass er sich mit dem System gut auskennt und dass er weiß, wie man zu einer Lunge kommt“, schilderte der 39-Jährige. Dieser Patient - ein pensionierter Fliesenleger - wurde von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) als Beitragstäter mitangeklagt. Er soll dem Arzt sein Konto zur Verfügung gestellt haben, auf das die griechische Familie laut Anklage die zunächst geforderten 20.000 Euro überwies.

Der Arzt und dessen mitbeschuldigter Bekannter hätten ihm erklärt, „dass gefüttert werden muss, dass man schnell zu einer Operation kommt“, schilderte der Zeuge. Die 20.000 Euro habe man „so schnell wie möglich“ aufbringen müssen.

Am 3. November 2015 habe der Zweitangeklagte dann weitere 20.000 Euro gefordert, „damit motiviert wird“, wie der 39-Jährige zu Protokoll gab. „Die nächste Lunge ist für deinen Vater“, habe es geheißen. Bei einem Gespräch mit dem Arzt habe ihm dieser am 5. November 2015 erklärt, er habe mit den Verantwortlichen im AKH bereits über die Transplantation gesprochen. Eine zweite 20.000 Euro-Zahlung sei nötig gewesen, „damit mein Vater auf die erste Stelle auf der Transplantations-Liste kommt“. „Er hat nie gesagt, dass er nicht der richtige für diese Fälle ist“, betonte der Zeuge mit Blick auf den Angeklagten abschließend.

Die Verhandlung wird Mitte Jänner fortgesetzt.




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