Letztes Update am Mi, 21.11.2018 16:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Libysche Behörden holen Flüchtlinge mit Gewalt von Handelsschiff



Tripolis (APA/AFP) - Nach tagelangem Tauziehen haben Sicherheitskräfte in Libyen dutzende Flüchtlinge mit Gewalt von einem Handelsschiff im Hafen von Misrata geholt. 79 Migranten wurden von dem Frachter „Nivin“ gebracht, berichteten Menschenrechtsorganisationen am Mittwoch. Die Menschen hatten sich aus Angst vor Haft und Folter in Libyen geweigert, das Schiff freiwillig zu verlassen.

Die UNO-Menschenrechtskoordinatorin für Libyen, Maria Ribeiro, zeigte sich am Mittwoch bestürzt über Berichte, wonach bei dem Einsatz der libyschen Sicherheitskräfte mehrere Flüchtlinge verletzt wurden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) verurteilte den Einsatz von Gewalt und forderte die Regierung in Tripolis auf, Mitarbeitern von Menschenrechtsorganisationen und der Vereinten Nationen Zugang zu den Migranten zu gewähren.

Die Flüchtlinge stammen nach UNO-Angaben aus Äthiopien, Eritrea, Pakistan, Bangladesch, Somalia und dem Südsudan. Sie hatten laut Amnesty versucht, auf einem Schlauchboot über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

In einem „klaren Verstoß gegen internationales Recht“ seien sie jedoch durch den unter panamaischer Flagge fahrenden Frachter abgefangen und zurück in das nordafrikanische Bürgerkriegsland gebracht worden. Laut HRW sank das Boot der Flüchtlinge, als diese von der „Nivin“ an Bord genommen wurden.

Menschenrechtler warnen immer wieder davor, im Mittelmeer gerettete Migranten zurück nach Libyen zu schicken. Dort drohten ihnen Erpressung, Folter, Zwangsarbeit und Vergewaltigung.




Kommentieren