Letztes Update am Do, 22.11.2018 09:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutlich weniger Tage mit Inversionswetter in Österreich



Wien/Graz (APA) - Im Herbst und Winter treten häufig sogenannte Inversionswetterlagen auf. Diese sind oft verantwortlich für Nebel und schlechte Luftqualität. Die Wahrscheinlichkeit für einen Tag mit Inversionswetter hat jedoch im österreichweiten Durchschnitt seit dem Jahr 1961 um elf Prozent abgenommen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZG) und Uni Graz.

Im Normalfall wird die Luft in der Atmosphäre mit der steigenden Höhe kälter. Bei Wetterlagen mit Temperaturinversion (Temperaturumkehr) ist es allerdings in tiefen Lagen kälter als in höheren Luftschichten, erläuterte die ZAMG am Donnerstag in einer Aussendung. Inversionen treten vor allem im Herbst und Winter auf, wenn die Sonne nicht genügend Kraft hat, den Boden deutlich zu erwärmen. In Gebirgsländern wie Österreich sind sie besonders stark ausgeprägt, da die schwere kalte Luft von Gipfeln und Hängen abfließt und sich in Tälern und Becken sammelt.

Markante Inversionen wirken wie eine Sperre in der Atmosphäre und verhindern den Austausch von Luft zwischen tiefen und hohen Luftschichten. Daher sammelt sich viel Feuchte in Bodennähe, was die Bildung von Nebel und Hochnebel fördert. Auch die Belastung mit Schadstoffen kann während Inversionswetter deutlich steigen.

Die Untersuchung der Inversionen in Österreich zeigt von 1961 bis 2017 deutliche Änderungen. „Die Häufigkeit der Inversionen und ihre Stärke hat in den letzten Jahrzehnten merklich abgenommen“, sagte ZAMG-Klimaforscher Johann Hiebl. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Tag mit Inversionswetter ist im Mittel in Österreich um elf Prozent zurückgegangen. In Teilen Oberösterreichs und Kärntens macht die Abnahme sogar 30 Prozent aus.“

„Auch der vertikale Temperaturunterschied, den Inversionen verursachen, ist spürbar zurückgegangen, und zwar um durchschnittlich 0,3 Grad. Die Dicke von Inversionsschichten, also ihre vertikale Ausdehnung, zeigte hingegen in den letzten Jahrzehnten keine wesentliche Änderung.“ Interessant sei, dass in den vergangenen knapp 60 Jahren die Häufigkeit und Stärke von Inversionen im Oktober, Dezember und Jänner um 20 bis 30 Prozent abnahm. In den November- und Februar-Monaten gab es dagegen kaum Änderungen.

Die Ursachen für diese Unterschiede sind noch unklar. „Wir wissen, dass Inversionen durch Hochdrucklagen begünstigt werden. Daher vermuten wir einen Zusammenhang mit einer Änderung in der Häufigkeit bestimmter Wetterlagen“, erklärte Hiebl. „Was wir auf jeden Fall sehr deutlich sehen ist, dass die Temperaturerhöhung der letzten Jahrzehnte in unterschiedlichen Seehöhen und Monaten sehr unterschiedlich ausgefallen ist. Dadurch wurden Inversionen teils vermindert, teils verstärkt.“

( S E R V I C E - Studie „Temperature inversions in Austria in a warming climate“: http://go.apa.at/ETT0ULFZ )




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