Letztes Update am Do, 22.11.2018 09:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Krankenhaus Nord für „Goldenes Brett vorm Kopf“ nominiert



Wien (APA) - Die Finalisten für das „Goldene Brett vorm Kopf“ 2018 sind fix: Chancen auf den „Negativpreis für den größten wissenschaftlichen Unfug des Jahres“ der Skeptiker-Vereinigung GWUP haben das „Esoterik-Wunderkind“ Christina von Dreien, Impfgegner Hans Tolzin und das Wiener Krankenhaus Nord dank „Energetischem Schutzwall“. Der Lebenswerk-Preis ist bereits fix, er geht an den Demeter-Verband.

Unter die Finalisten gewählt wurde laut Aussendung der GWUP (Gesellschaft zur Wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) das Wiener Krankenhaus Nord mit dem Energetiker Christoph Fasching. Dieser hat 95.000 Euro für das Ziehen eines „Energetischen Schutzwalls“ um das Krankenhaus verrechnet, der verhindern sollte, dass „negative Energien aus dem Umfeld Einfluss auf das Haus und die Menschen“ darin nehmen. Die Branche der „Energetiker“, die Menschen, Tiere oder Orte „energetisch harmonisieren“ oder in bessere „Schwingungszustände“ versetzen wollen, ist laut Jury mittlerweile groß und einflussreich. Dass für „unwissenschaftliche Energie-Zauberei“ öffentliches Geld in dieser Größenordnung ausgegeben wurde, macht die Affäre für die Skeptiker allerdings zu einem ganz besonderen Fall.

Den Schweitzer Esoterik-Superstar Christina von Dreien hat die Jury unter Hunderten Nominierungen als beeindruckendes Beispiel dafür ausgewählt, „wie man heute mit perfektem Marketing und einer eher willkürlich zusammengestellten Sammlung von Schwurbel-Begriffen berühmt werden kann“. Die 17-Jährige ist angeblich mit einem „erweiterten Bewusstsein“, „multidimensionaler Wahrnehmung“ und anderen paranormalen Begabungen gesegnet und bereits mehrfach wiedergeboren, u.a. auch in Atlantis. Dank Management ihrer mitnominierten Mutter Bernadette Meier-Brändle füllt von Dreien große Säle, ihre Videos auf Youtube werden hunderttausendfach angeklickt.

Dritter Name auf der Shortlist ist Hans Tolzin, für die GWUP einer der erbittertsten und aktivsten Gegner der evidenzbasierten Medizin: Der deutsche Molkereifachmann verbreite „eine ganze Reihe von wissenschaftlich unhaltbaren Thesen“ zu wichtigen Gesundheitsthemen. Auf seinen Webseiten warne er vor dem Impfen und bezweifle die Existenz von Infektionskrankheiten. Zwar würden Tolzins Ansichten durch ihre Radikalität vermutlich von vielen Leuten rasch als unwissenschaftlich erkannt, an der nach wie vor aktuellen Impfdebatte samt Anstieg vermeidbarer Krankheitsfälle sehe man aber konkrete, schädliche Folgen der Ablehnung wissenschaftsbasierter Medizin.

Die öffentliche Verleihungsfeier für das heuer zum achten Mal vergebene „Goldene Brett vorm Kopf“ findet am 28. November zeitgleich in Wien und Hamburg statt. Schon jetzt bekannt ist der Preisträger des „Goldenen Bretts fürs Lebenswerk“: Die Auszeichnung geht an den Demeter-Verband. Dieser verkauft landwirtschaftliche Produkte, die nach den Regeln der vom Esoteriker Rudolf Steiner begründeten „Anthroposophie“ erzeugt wurden, und fördert damit laut Veranstalter „ein vorwissenschaftlich-magisches Weltbild“.

(S E R V I C E - Die öffentliche Verleihungsfeier für „Das Goldene Brett vorm Kopf“ findet am 28. November um 20.15 Uhr in der Wiener Urania (1., Uraniastraße 1) statt. Parallel dazu werden die Preisträger in Hamburg bekanntgegeben. Internet: https://www.gwup.org)




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