Letztes Update am Do, 22.11.2018 10:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zollerhöhung lässt Lebensmittelpreise im Kosovo steigen



Prishtina (Pristina)/Belgrad/Sarajevo (APA) - Mit der drastischen Erhöhung der Einfuhrzölle aus Serbien hat die kosovarische Regierung einen deutlichen Anstieg der Lebensmittelpreise ausgelöst. Schon die in der Vorwoche verkündete Erhöhung um zehn Prozent habe den Brotpreis von 30 auf 40 Cent steigen lassen, berichten serbische Medien. Auch Speiseöl, Zucker und Mehl seien teurer geworden.

Seit Mittwoch gilt nun sogar ein Einfuhrzoll von 100 Prozent. Ein Viertel der serbischen Exporte in den Kosovo machten bisher nämlich grundlegende Nahrungsmittel aus, berichtete die serbische Zeitung „Politika“ am Donnerstag. Bis zu 100.000 Tonnen Weizen würden jährlich aus Serbien in den jüngsten Staat Europas exportiert. Serbische Regierungsvertreter sagten am Mittwochabend, dass der jetzige Zollsatz den Warenexport in den Kosovo völlig stoppen werde.

Nach Angaben des regionalen Freihandelsabkommens CEFTA belief sich der serbische Export in den Kosovo im Vorjahr auf 439,5 Millionen Euro, während Serbien nur für 48,2 Millionen Euro aus seiner früheren Provinz einführte. Die Zollerhöhung widerspricht den Regelungen des Freihandelsabkommens, die Europäische Union hat eine unverzügliche Rücknahme der Maßnahme gefordert.

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic sagte am Mittwochabend, dass die Zollerhöhung vor allem die serbische Volksgruppe schwer treffen würde. Unter anderem werde man etwa in dem von Serben bewohnten Norden des Kosovo, aber auch anderswo in den serbischen Enklaven nicht mehr Medikamente aus Serbien kaufen können.

Die Regierung in Pristina hatte die Zollerhöhung beschlossen, nachdem der Kosovo - aufgrund von massivem Lobbying Serbiens - überraschend nicht in die Internationale Polizeiorganisation Interpol aufgenommen worden war.




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