Letztes Update am Do, 22.11.2018 12:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Causa Gruevski - Wende auch für mazedonische Partei?



Skopje (APA) - Das Asyl für den früheren mazedonischen Ministerpräsidenten Nikola Gruevski in Ungarn und die dieswöchige Festnahme des ehemaligen Geheimdienstchefs Sasa Mijalkov in Skopje dürften nun auch zu einer Wende in der oppositionellen nationalkonservativen VMRO-DPMNE führen. Binnen weniger Tage hätte Parteichef Hristijan Mickoski seine zwei politischen Ziehväter verloren.

Dies stellte heute, Donnerstag, das Internetportal der Tageszeitung „Nezavisen Dnevnik“ fest. Der 42-jährige Mickoski war vergangenen Dezember zum VMRO-DPMNE-Parteichef gewählt worden, nachdem sich Gruevski entschlossen hatte, nach dem Verlust des Ministerpräsidentenamtes auch das Parteiruder aufzugeben. Dies bedeutete wohl aber nicht, dass sein Einfluss in der Parteiführung gesunken war.

Das mazedonische Internetportal prognostizierte am Donnerstag, dass es nun, wo Mickoski ohne die beiden Ziehväter geblieben ist, zu einer Annäherung der Partei auch an Brüssel und Washington kommen dürfte. Dass die VMRO-DPMNE auf ihren Widerstand gegen die Namensänderung des Landes verzichtet, wird allerdings nicht erwartet.

Wenn es im Jänner 2019 im Parlament zur Abstimmung über die Verfassungsänderungen kommt - diese sind zur Umsetzung der Namensvereinbarung mit Griechenland notwendig - dürfte die parlamentarische Unterstützung dafür weiter ansteigen, meint das Internetportal unter Hinweis, dass Mickoski aber wohl nicht auch gleich „zur Pistole“ greifen würde, um die abtrünnigen VMRO-DPMNE-Abgeordneten abzuschießen. Mehrere Parteifunktionäre wurden im Oktober aus der Partei ausgeschlossen, nachdem sie im Parlament für die Verfassungsänderung votiert haben. Mazedonien soll künftig den Namen Republik Nord-Mazedonien tragen.

Was Gruevski und Mijalkov angehe, so sei man erfreut, dass die Rechtstaatlichkeit endlich zum Ausdruck gekommen sei, auch wenn einer von ihnen (Gruevski) geflüchtet sei, so laut „Nezavisen Dnevnik“ Jove Kekenovski, einer der gemäßigten VMRO-DPMNE-Funktionäre. Seiner Ansicht nach hatte Gruevski gerade durch seine Flucht auf eine bestimmte Weise auch bestätigt, dass er schuldig sei.

Der ehemalige Premier (2006-2017) war in Mazedonien wegen Amtsmissbrauchs bei der Anschaffung eines Dienstwagens zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Gegen ihn laufen in Skopje derzeit noch weitere vier Prozesse und fünf Ermittlungsverfahren. Gruevski hat am Dienstag in Ungarn Asyl erhalten.




Kommentieren